Pakt mit den Paukern – Gedanken zur ZEIT

Endlich, das wurde ja auch mal Zeit!

Nach den vielen öffentlichen Ohrfeigen endlich einmal jemand, der aufzeigt, dass eine Verbesserung der Bildungslandschaft nicht gegen, sondern nur mit Lehrern erreicht werden kann. In der Ausgabe „DIE ZEIT“ – sogar auf der Titelseite! – heißt es:

„Lehrer verächtlich zu machen sollte nicht mehr zum guten Ton gehören.“

Dass dabei der Begriff „Pauker“ benutzt wird, ist dann wieder arg ungeschickt, denn für den notwendigen „Pakt der Bildung“ kann man „Pauker“ dann doch wieder nicht brauchen.

Sicher gibt es nach wie vor „Pauker“ und Lehrer, die man als „faule Säcke“ bezeichnen könnte, wie einst der Bundeskanzler. Doch es gibt auch genügend Lehrer, die gute Arbeit leisten, die über das Normale hinausgeht, die Elterngespräche führen, ein offenes Ohr für ihre Schüler haben, (unbezahlte) Mehrabeit leisten, die kaum registriert wird, honoriert schon gar nicht. Lehrer, die seit Jahren den Job machen, für die andere vor Jahren noch mit mindestens zwei Besodungsstufen mehr bezahlt worden sind.

Aber, wie war das? Beamte sollen doch nach Leistung bezahlt werden!!

In diesen Tagen erhalten Beamte ihre Benachrichtigung über das Weihnachtsgeld und müssen erstaunt feststellen: es ist nur noch ein Bruchteil des ursprünglich 13. Gehaltes, aber: macht ja nix. Ob die Einmalzahlungen der Abgeordneten entsprechend gekürzt worden sind – müsste man sich mal schlau machen.

Lehrer sollen sich fortbilden: ja bitte: aber es darf nichts (jedenfalls nich viel) kosten! Die Fortbildungen, die z.T. angeboten werden, sind oft dermaßen unqualifiziert, dass es Zeit- und Geldverschwendung ist. Unter diesem Gesichtspunkt sind sie dann doch wieder teuer.

Kommt man dann nach Unterrichtsschluss – oft ohne Mittagessen – am Tagungsort an, wird man netterweise auf eine Cafeteria hingewiesen, in der man – natürlich auf eigene Kosten – Getränke bekommen kann – nur abends nach Ende der Tagung gibt es nichts mehr, nicht einmal einen funktionierenden Getränkeautomaten. Eine 11/2 Tage dauernde Tagung ohne einen einzigen Schluck Wasser! Sorry: „Kraneberger Gold“ gab‘ s kostenfrei!!

Ach ja, und hat sich schon einmal jemand wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht, dass qualifizierter Unterricht auch ein entprechendes Equipment voraussetzt? Overheadprojektoren, Recorder, die funktionieren, vielleicht Magnettafeln, an denen man ohne großen Zeit- und Klebeaufwand etwas befestigen kann.

Wie wär’s mit Schulen, in denen man die Fenster öffnen kann, die nicht zugeschraubt sind, weil sie eine Verletzungsgefahr darstellen, mit Jalousien, die man bewegen und der Witterung anpassen kann, mit Mobiliar, das nicht unter einem zusammenbricht, mit Räumen, die angemessen temperiert sind und nicht mal eher einem Kühlraum und dann eher einer Sauna gleichen? Mit Räumen, in denen man angemessen Elterngespräche führen kann, die dann nicht mehr auf dem Flur geführt werden müssen, weil das Krankenzimmer gerade anderweitig genutzt wird? Mit Schulen, die sorgfältig gereinigt werden, wo nicht Schüler dafür zuständig sind, die zu Hause noch nie einen Besen in der Hand gehalten haben? Wobei dies zu können, sicher nicht verkehrt ist. Die Frage, die dann nur geklärt werden muss, ist die Frage nach der Aufgabe des Lehrers, der Eltern.

Nur Begriffe aus der Wirtschaft zu übernehmen, „Evaluation“ schallts aus allen Ecken und Kanten, „Portfolio“ etc., das allein reicht nicht.

Eine Wende in der Bildungsmisere ist nur möglich, wenn die daran Beteiligten nicht mit einseitigen Schuldzuweisungen, Abwertungen und Diffamierungen arbeiten, sondern miteinander kommunizieren und gemeinsam mit allen Kräften an einer Wende zum Besseren arbeiten.

Und: wenn wir uns Bildung wieder etwas kosten lassen.

Die Kürzungen der letzten Jahre wären dann sicher auch „leichter“ zu verschmerzen.

Datum: 1. Dezember 2006
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Ein Kommentar

  1. Das Nest | Samstag, 2. Dezember 2006 17:10
    1

    Na, das sind doch mal ein Haufen guter Vorschläge und Einblicke. Ich persönlich finde auch, daß LehrerInnen einen Beruf haben, für den sie nun wirklich nicht geschmäht werden müssen. Was die "pauker" angeht, so empfinde ich das einfach nur als einen relativ altmodischen, aber oft liebevoll von den damaligen Pennälern benutzten ausdruck für Lehrer. Ich denke dabei gar nicht so sehr an das pauken. Find ich sogar eher nett. Daß Schüler auch mit für die Reinigung und Pflege ihrer Klassenzimmer zuständig sind, habe ich persönlich immer sogar als angenehm empfunden, wenn es in einem gewissen Rahmen bleibt. Ich finde, ich habe dadurch einen ganz anderen und positiven Bezug zu dem Raum bekommen, in dem ich arbeitete. Mir hat das gefallen. Natürlich sollte man das nicht machen, um Kosten zu sparen…

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