Gedichte Schreiben als Befreiung

In Carlo Ross‘ Roman “ Im Vorhof der Hölle“ treffen sich einmal in der Woche die „Lagerdichter“, um das, was sie geschrieben haben, einem kleinen Kreis von Interessierten vorzustellen. Ilse, eine Frau mit Kleinkind, (aufgrund einer Anmerkung erfährt man, dass sie 1944 in Auschwitz im Gas umgekommen ist) sagt: „Ich habe auch nicht gewusst, dass so was in mir steckt, aber eines Nachts kam es heraus. Und das ist gut so, man wird innerlich freier, auch wenn man gettoisiert ist!“ (151)
In diesem Kreis traut sich David seine zwei Gedichte vorzustellen, die er geschrieben hat:

Unsere Seele
ist zerbrochen
an der Lieblosigkeit
der Welt
und der Einsamkeit
unserer Herzen.

Die Angst hat keinen Namen.
Sie ist in den Augen,
sie flattert im Herzen
wie ein Vogel im Käfig.
Sie sitzt im Nacken und schreit,
so sehr, dass der Boden schwankt.
Mein Schritt ist stolpernd.
Die Angst ist meine Schwester –
ich bin nicht mehr allein!

Datum: 19. Januar 2007
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