Lehrer – überflüssig!?

Jenen ohne Talent kann man nichts beibringen. Und die mit Talent brauchen keine Lehrer.“

Dieser Satzt stammt nicht von einem Kritiker der neuen Schulpolitik in NRW, sondern von Dr. David Strom in Richard Powers Roman „Der Klang der Zeit“ (ein schier unerschöpflicher Fundus). Davids Lehrmethode ist ungewöhnlich: „Keiner könnte sagen, was David macht. Nichts Greifbares. Er nimmt ihnen nur einfach die Scheuklappen ab. Führt sie durch einen hermetischen Raum, bis sie die verborgene Tür finden. … Sie sagen, er springe einfach vor in die Zukunft zu einem Punkt, an dem das Problem schon gelöst ist und dann komme er mit den Umrissen der Lösung, die sie selbst noch finden müssen, zurück.“ (S. 489 f.)

Ein Lehrer, der einem die Scheuklappen abnimmt – ein schönes Bild. Endlich wäre jemand da, der Kinder und alle anderen Wissbegierigen ernst nimmt, sie lehrt und ihnen dabei hilft, Antworten auf ihre Fragen zu finden, statt sie als zu neugierig abzuwürgen, ihnen zu sagen, dafür seinen sie noch nicht alt genug. Neugierde ist eine Fähigkeit, sich die Welt zu erobern – diese Menschen abgewöhnen zu wollen, heißt: sie klein und dumm zu halten: „Das fragt man nicht?“ „Warum nicht?“ „Darum.“ Typische Dialoge meiner Kindheit – leider gehören sie immer noch nicht der Vergangenheit an!
Da springe ich doch lieber in die Zukunft! Das ist bestimmt spannender, anregender und aussichtsreicher!

Datum: 5. Januar 2007
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4 Kommentare

  1. soeren onez | Freitag, 5. Januar 2007 15:35
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    das Problem ist doch, die mit Talent, die den kindern und Jugendlichen wirklich bei ihrer Talentfindung helfen koennten, die werden keine Lehrer. Ausnahmen gibt es aber haeufig wohl nicht. Aber wenn alteingesessene Ignoranz auf jugendliches Talent, gepaar mit Neugierde trifft, dann ist der Verlierer meist der Kluegere, aber Talent wird dadurch nicht gefoerdert.

  2. Chris | Samstag, 6. Januar 2007 8:59
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    Der Satz erscheint mir recht blödsinnig, erst einmal ist soewtas wie "Talent" eine fragwürdige Kategorie, denn was soll es sein, eine Veranlagung? Kommt man damit denn auf die Welt? Vermutlich nicht… aber wie dem auch sei, es gibt da draußen mehr gute Lehrer als schlechte, es ist schade, dass immer nur die Negativbeispiele (die es überall gibt) angesprochen werden.

    zu soeren: ….es werden im übrigen auch "talentierte" Menschen Lehrer. Ich habe in den letzten Jahren seeehr viele Lehrer fortgebildet, von denen ich die meisten auch meinen ungeborenen Kindern zum Lehrer wünschen würde.
    Der omnipräsente rüde Lehrer ist eine Vorstellung, die nicht mit der Realität kongruiert.

  3. Chris | Samstag, 6. Januar 2007 9:05
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    Öhm, das war jetzt etwas rau, verzeiht, aber ich kann diese üble Rede über den Lehrerstand nicht hören, ohne immer etwas zornig zu werden, da sie immer recht undifferenziert klingt und einer Menge engagierter Menschen unrecht tut.

  4. soeren | Dienstag, 9. Januar 2007 15:58
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    Hier geht es zwar um Professoren, es ist dennoch interessant. Auch wenn das natürlich noch kein grund zur Verallgemeinerung ist, da muss ich dir Recht geben Chris. Aber einfach das Problem von der Hand zu weisen ist sicher auch nicht der richtige Weg. Ausserdem sagt die motivation von Lehreranwärtern an der Uni nun sicher nichts darüber aus, waie ein paar jahre später der wirkliche Lehrbetrieb dieser Leute aussehen wird. Dennoch, ja so wie oben geschreiben ist meine Aussage zu undiferenziert.
    Hier der Text aus der Zeit: http://www.zeit.de/campus/2

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