Gewitter – Naturschauspiel oder Zorn Gottes??

Draußen gewittert es – mächtig. Ich bin froh, nicht draußen zu sein, sein zu müssen. Hier, zu Hause, fühle ich mich wohl, die Gefahr ist relativ gering – denke ich.
Gewitter sind faszinierende Naturschauspiele, solange man nicht davon betroffen, sondern nur Zuschauer ist – hinter sicheren Fensterscheiben.
Als Kind fühlte ich mich nicht einmal hinter Fensterscheiben sicher – denn: „Der ‚liebe‘ Gott schimpft!“ wenn draußen ein Gewitter herrscht! Mit wem und aus welchem Gund – das wurde offen gelassen. Für ein Kind war klar: Der „liebe“ Gott schimpft mit dir! Warum? – Das konnte man nicht wirklich beantworten! Aber – wenn der „liebe“ Gott schimpft – dann hatte er einen Grund!! Sicher hatte man irgendetwas falsch gemacht, nur was dieses Irgendetwas war – das sagte einem keiner.
So kann/konnte man (kleine) Kinder foltern – die Erwachsenen sahen es mit Sicherheit so nicht. Es war eine gängige Erziehungsmethode!! Ich habe sie gehasst bzw. als Kind gefürchtet. Wenn einem jemand ganz klar sagt, was man falsch gemacht hat und warum, hat man die Chance, darüber nachzudenken, sich ggf. zu entschuldigen oder den Fehler aus der Welt zu schaffen.
Hat man diese Chance nicht, kann bzw. konnte man sich nur schuldig fühlen.
Die Zeiten sind vorbei – ein Grund mehr, Gewitter als Naturschauspiele zu bewundern und zu fürchten, denn es sind Naturgewalten – unabhängig von der Schuld einzelner Personen, sicher aber unabhängig von der Schuld relativ kleiner Kinder.
Inzwischen liebe ich Gewitter und schaue genau auf dieses Natur-Schauspiel.

Datum: 26. Mai 2007
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8 Kommentare

  1. Ludovika | Sonntag, 27. Mai 2007 23:26
    1

    mir ging es als kind ähnlich. wollte mich auch von den angezüchteten ängsten efrauzipieren, aber mein körper sabotiert ein solch heilsames wunschdenken! zum glück gab es vorgestern bei den waldjugendspielen kein gewitter- meine schüler hätte mich GANZ anders kennengelernt, was ungut gewesen wäre…oder, wer weiß…
    gruß von Lu

  2. vered | Dienstag, 29. Mai 2007 17:22
    2

    Ich habe die Gewitter schon als Kind geliebt. Wenn es ganz dunkel wurde und dann die Blitze zuckten, wenn die Donner von Berg zu Berg rollten, bis die Fensterscheiben zitterten – dann stand ich hingerissen am Fenster und konnte von dem Drama nicht genug bekommen. Alle Mahnungen und Drohungen meiner Mutter, gleich werde der Blitz einschlagen, wenn ich nicht vom Fenster weggehe, waren umsonst.
    Ängste kannte ich auch, aber vor "bösen Menschen", denen man mich ausliefern wollte, wenn ich "böse" war, sprich nicht gehorchte.Diese Ängste haben mich noch lange verfolgt.

  3. mona lisa | Dienstag, 29. Mai 2007 21:49
    3

    Waren die "bösen" Menschen der schwarze Mann? Vielleicht kennst du den auch noch, den gab es nicht nur in dem Spiel, wer hat Angst vom bösen/schwarzen Mann?

  4. Krautmaster | Donnerstag, 14. Juni 2007 9:15
    4

    ich mag blitze und hasse gott

  5. soeren onez | Samstag, 16. Juni 2007 20:03
    5

    Wie kannst du denn Gott hassen? Wie soll das denn gehen?

  6. mona lisa | Sonntag, 17. Juni 2007 0:22
    6

    krautmaster: den Zusammenhang verstehe ich nicht!Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

  7. Matthias | Sonntag, 6. Juli 2014 23:10
    7

    Genau das hat meine Mutter mir als Kind auch gesagt.. Wenns draußen gewittert, ist Gott erzürnt über dich..
    Ich persönlich habe daraus gelernt, bin inzwischen 24 und werde meinen Kindern definitiv niemals diese „Erziehungsmethoden“ auftischen..
    Denn mit meinen 24 Jahren muss ich mich immernoch jedes mal daran erinnern und habe daher eine schreckliche Phurbie vor Gewitter.. :(
    Man begeht im Leben so viele Fehler und so wäre praktisch jedes Gewitter Grund genug, damit gott zornig auf mich ist..
    Übrigens.. Ich habe normalerweise garnicht mehr an Gott.etc.. Außer es gewittert, dann breche ich in Schweiß aus und betteln förmlich um Verzeihung.. Schreckliche Erziehungsmethode..

  8. mona lisa | Montag, 7. Juli 2014 6:13
    8

    Schade, ich habe gedacht, dass diese Methoden schon längst vorbei sind.

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