Janos Szekely, Verlockung

Ein Roman, auf den ersten Blick erschreckend dick, kaum zu halten, aber mit einer faszinierend schönen Frau als Titelbild (ein Porträt der Gertrude, Lady Agnew of Lochnaw). Soll ich es kaufen?

Da ich dieses Mal meine Büchertasche offensichtlich sehr nachlässig gepackt habe (viele bereits gelesene Bücher oder solche, die sich mit Sicherheit nicht als entspannende Ferienlektüre eignen), bin ich in die Inselbücherei gegangen und habe Ausschau gehalten. Da ich bisher gute Erfahrungen mit den Empfehlungen der Buchhändlerin gemacht habe, habe ich dann beim zweiten Anlauf, nach dem Lesen des ersten Satzes, das Buch gekauft:

„Mein Leben begann wie ein Kriminalschmöker: Man wollte mich ermorden. Glücklicherweise wurde dieser Plan fünf Monate vor meiner Geburt gefaßt, und so hat er mich kaum sonderlich erschüttert.“
So beginnt dieser Roman, der das Leben Belas erzählt, eines von fast allen verachteten „Bastards“, der später als Liftboy in einem Hotel in Budapest arbeitet und versucht, vom Reichtum der Reichen zu profitieren und trotz der herrschenden Armut anständig zu bleiben, eigentlich ein “ Ding der Unmöglichkeit“.
Es ist ein bewegender, traditionell erzählter, witzig, ironisch geschriebener Entwicklungsroman mit autobiographischen Zügen, der den Leser glänzend unterhält. Gleichzeitig bleibt einem immer wieder das Lächeln im Halse stecken ob der Brutalität und Schutzlosigkeit, der Bela ausgesetzt ist wie viele arbeitslose Ungarn zwischen den beiden Weltkriegen – gleichzeitig also ein Roman, der sich wie eine Sozialgeschichte des beginnenden Faschismus liest. „Ein mitreißendes Panaorama der zanziger Jahre.“

Janos Szekely, Verlockung, Roman, München 2007, 812 S., ISBN 978-3-442-73510-5

Datum: 24. Juli 2007
Themengebiet: Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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