Unbegrenzte Zeit für einen selbst
Jeder kennt das Phänomen, keine Zeit zu haben, vor allem für sich keine Zeit zu haben, wegen all der Pflichten, die erledigt werden müssen. Am Ende fühlt man sich oft selbst erledigt.
In “Das Wunder der Achtsamkeit” (durch seelenruhig bin ich auf diesen Titel aufmerksam geworden) hat Allen eine mögliche Lösung gefunden:
“Weißt du, ich glaube, ich habe eine Möglichkeit gefunden, wie ich jetzt viel mehr Zeit für mich haben kann. Früher habe ich meine Zeit ganz anders betrachtet: sie schien mir aus lauter verschiedenen Abschnitten zu bestehen. Einen Teil hatte ich für Joey reserviert, einen anderen für Sue, dann gab es den, wenn ich mich mit ihr gemeinsam um Ana kümmerte, und schließlich noch den Anteil für die Hausarbeit. Die Zeit, die dann noch übrig blieb, gehörte mir. Da konnte ich lesen, schreiben, meine Forschungsarbeit betreiben und spazieren gehen. Neuerdings versuche ich, mir meine Zeit überhaupt nicht mehr in einzelne Abschnitte einzuteilen. Die Zeit mit Joey und Sue betrachte ich jetzt genauso als meine eigene Zeit. Wenn ich Joey bei den Hausaufgaben helfe, schaue ich, wie ich auch diese Zeit genauso zu meiner eigenen machen kann. Ich gehe also mit ihm seine Hausaufgaben durch, bin ganz ganz bewusst mit ihm zusammen und entwickle so auch wirkliches Interesse an unseren gemeinsamen Aktivitäten. Die Zeit, die ich scheinbar nur ihm widme, wird dadurch plötzlich zu meiner eigenen Zeit. …. Und das Verblüffende daran ist, dass ich auf einmal unbegrenzt Zeit für mich selbst habe!” (Thich Nhat Hanh, Das Wunder der Achtsamkeit, S. 14 f.)
Ob das die Lösung ist? Ob ich es schaffen kann, die Zeit, die ich demnächst wieder mit Korrekturen, Konferenzen etc. verbringe zu meiner Zeit zu machen? Skeptisch bin ich schon, einen Versuch wäre es wert.
Der oben genannte Text erinnert mich sehr stark an den folgenden, schon oft gehörten und gelesenen Text:
Wenn ich stehe, dann stehe ich
Ein in der Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne. Dieser sagte:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich…
Da fielen ihm die Fragesteller
ins Wort und sagten:
Das tun wir auch,
aber was machst du noch darüber hinaus?
Er sagte wiederum:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich …
Wieder sagten die Leute:
Das tun wir doch auch.
Er aber sagte zu ihnen:
Nein,
wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon,
wenn ihr lauft,
dann seid ihr schon am Ziel …
Wie gesagt, einen Versuch wäre es wert.

Das ist ja ein Zufall.. Zufall? Gibt es den denn überhaupt? Gestern hatte ich einen Nachmittag nur für mich und bin noch an den See zum Schwimmen gegangen. Dieses Buch hatte ich ausgewählt, mich zu begleiten. Es hat sehr gut getan.
Der Text, den du zitierst, gibt ja genau die Lehren des Buddhismus wieder. Auch Thich Nhat Hanh erklärt es, idem er das Beispeil des Geschirr-Spülens nimmt. Wenn du Geschirr spülst, dann tue nichts anderes als dies.
Es ist wahr, wenn man es macht und sich immer wieder in Erinnerung ruft. Und schafft man es, wirklich in der Gegenwart zu sein mit aller Achtsamkeit, geht es einem immer gut damit.
liebe Grüße und einen wunderbaren Tag ! Ellen