Goethes “Faust” und Viagra

Man sollte doch öfter Radio hören. Heute abend habe ich per Zufall die Sendung “Funkhausgespräche” im WDR 5 eingeschaltet. Thema war: “Am Ende ein Anfang” mit Hellmuth Karasek, Barbara Bronnen und Henning Scherf. Natürlich wurde auch das Thema “Sexualität” im Alltag angesprochen. Barbara Bronnen las aus ihrem Roman vor, der der Sendung auch den Titel gegeben hat. Auf unglaublich humorvolle Art beschreibt sie (zumindest in dem Auszug, den sie vorgelesen hat) in Briefform, wie zwei Menschen im Alter – sie hatten früher mal eine Affäre – eine Liebesnacht erleben wollen und scheitern.
Natürlich liegt da die Frage nach “Viagra” in der Luft. Worauf Karasek Goethes Faust als den ersten großen Deutschen bezeichnet, der Viagra genommen habe. Als alternder Wissenschaftler merkt Faust, dass er über seinen Wissenschaften das Leben und die Liebe verpasst hat, bekommt vom Teufel einen Zaubertrank (Karasek: Was ist das anderes als Viagra?) und sieht anschließend in jeder Frau Helena. Er trifft Gretchen, macht sie unglücklich und zur Mutter- und Kindsmörderin und sich selbst in höchstem Maße lächerlich.
So kann man “Faust” auch sehen.
Auf die Frage, ob Karasek Viragra und Liebesbeziehungen im Alter ablehne, griff er wieder auf Goethe zurück: Grundsätzlich machten sich ältere Männer im hohen Alter lächerlich, vor allem dann, wenn sie sich wie der Playboy-Herausgeber Hugh Hefner (80) sich mit sehr jungen Mädchen einließen und so unglücklich aussähen, als könnten sie die süße Last nicht mehr tragen. Auch Goethe habe sich mit siebzig in eine Siebzehnjährige verliebt, sich lächerlich gemacht und sich eine Abfuhr geholt. Männer in diesen Jahren sollten solche Beziehungen nur dann riskieren, wenn – wie bei Goethe – die schönsten Liebesgedichte die Konsequenzen wären.
Lieder konnte ich nicht läger zuhören. Das Buch von Barbara Bronnen werde ich mir wohl kaufen. Kennt jemand es genauer?

Datum: 23. August 2007
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3 Kommentare

  1. Ludovika | Sonntag, 26. August 2007 15:26
    1

    ja, mona lisa, habe das buch gelesen, wie auch fast alle andren von ihr.
    es war ein roman in briefen, von dem ich wollte, dass er nie aufhört….
    gruß von Lu

  2. mona lisa | Montag, 27. August 2007 12:23
    2

    Sind die anderen Romane von ihr ebenso liebens- und lesenswert?
    Liebe Grüße Mona

  3. Ludovika | Montag, 27. August 2007 16:10
    3

    Mona, das ist abhängig davon, ihren Schreibstil zu mögen oder eben nicht! Du wirst es merken…
    Gruß von Lu

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