Schulbücher – nein danke?!

Bücher werden gestellt, d.h. sie kosten (fast) nichts, bis auf den Eigenanteil der Eltern. Da aber offensichtlich von öffentlicher Seite nicht genug Geld vorhanden ist, werden zu Beginn des Schuljahres Bücher verteil, die ich mit der Kneifzange nicht mehr anfassen würde, die zudem z.T. derart veraltet sind, dass man sich fragen muss, wie man mit solchen Büchern den (neuesten) Anforderungen genügen soll.
Schüler sollen über grundsätzliche Arbeitstechniken verfügen: Sie sollen u.a.: “Textaussagen markieren, unterstreichen, Texte gliedern.”(Kernlenplan, NRW)
Bitte, wie sollen sie dies tun, mit, in Büchern, die sie am Ende des Schuljahres wieder abgegeben müssen, die Generationen nach ihnen noch benutzen sollen? Im Buch also nicht. Heißt im Klartext: Ich als Lehrer(in) stelle mich hin, kopiere Texte aus dem Buch, schneide sie derart zu, dass sie möglichst platzsparend, aber doch schülerfreundlich, also lesbar, auf eine DIN 4 Seite passen (denn das Kopiergeld ist ja auch begrenzt!!!).
Ich habe nicht Mathe studiert, doch mein Bauchgefühl sagt mir, dass es letztendlich in jeder Hinsicht ökonomischer ist, wenn Schüler ihre eigenen Bücher haben, in, mit denen sie arbeiten können, so wie es den Richtlinien entspricht, in denen sie auch später noch einmal nachlesen können. Kinder, deren Elten nicht in der Lage sind, das Geld für Bücher aufzubringen, verdienen jede Unterstützung. Daran darf es nicht scheitern.
Doch wenn ich sehe, wie Schüler gekleidet sind, welche Handys sie zur Verfügung haben, was sie am Kiosk kaufen, dann frage ich mich, ob man nicht darauf verzichten sollte, nicht aber an (Schul-)Büchern.
Doch mit Handys etc. kann man natürlich schneller zeigen, wer, was man ist, als mit Investitionen in Bildung, die sich manchmal erst Jahre später bemerkbar machen.

Anlass für diese Zeilen ist ein Schüler, der sich in den letzten Tagen über den Zustand seines Mathebuches beschwert hat. Der Versuch, ein besseres Exemplar zu bekommen, ist gescheitert, da der für die Bücher Zuständige meinte, das Buch sei ja noch wie neu (als müsse er die Bücher aus eigener Tasche bezahlen). Heute kam dieser Schüler zu mir und sagte, seine Eltern fänden, das ihm zugeteilte Buch sei eine Zumutung und hätten ihm ein eigenes gekauft.

Warum nicht gleich so?! Warum nicht öfter so?!

Datum: 9. August 2007
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5 Kommentare

  1. myriel | Freitag, 10. August 2007 9:05
    1

    "Warum nicht gleich so?! Warum nicht öfter so?!", weil du es mit z. B. fünf Kindern nicht kannst und auch nicht Handy und so, und wir bei jedem neuem Schuljahr immer mehr Geld für die Pflichtbücher und die "Kleinigkeiten" der verschiedenen Klassen und Schulen zahlen. Auch wenn es heute "nur" noch 4 Kinder sind, die noch in (Aus)- Bildung sind, so sind für uns 273,- € viel Geld und da waren noch nicht mal die neuen Sportsachen – die noch geholt werden müssen – dabei. Ich weiß, wir sind nicht die "durchschnittliche" Familie, aber ich kenn’ doch recht viele Familien denen es nicht besser geht, auch nicht wenn sie weniger Kinder haben.
    Was mich aber genau so Ärgert wie Dich ist, dass die die es sich leisten können, den gleichen Bücherzuschuß geben müssen, wie die die es nicht können:" Kinder, deren Elten nicht in der Lage sind, das Geld für Bücher aufzubringen, verdienen jede Unterstützung. Daran darf es nicht scheitern." Das ist nur ein frommer Wunsch!

  2. mona lisa | Freitag, 10. August 2007 13:29
    2

    Nein, das ist es nicht, es gibt Schüler, die die Bücherkosten nicht zahlen müssen. An welche Bedingungen dies geknüft ist, weißt ich leider (noch) nicht.
    Ich behaupte ja auch nicht, dass das Büchergeld einfach aufzubringen ist, vielleicht ist nur manchmal ein Umdenken notwedig.
    Viele Schüler gehen mit ihren Sachen einfach auch nicht pfleglich um, auch das ist letzlich zu teuer!!

  3. Ludovika | Samstag, 11. August 2007 10:29
    3

    bei uns in RP gibt es keine bücher vom land, wohl aber anträge für "bedürftige eltern", die einen zuschuss bekommen, dafür allerdings ihre finanzielle gesamtlage angeben müssen, was viele nicht wollen verständlicherweise.
    da am schuljahresende ein bücherbasar ist, wo die bücher verkauft werden können, dürfen die meisten schüler auch nicht IN den büchern arbeiten. manchmal sage ich, weil das mit dem kopieren zu viel wird, sie sollen etwas GANZ dünn, ausradierbar, mit bleistift anstreichen- das klappt mehr schlecht als recht.
    gruß von Lu

  4. plasmaoxyd | Samstag, 11. August 2007 12:53
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    Der Staat verarscht uns von vorne bis hinten. Aber die sind so verbohrt, das kriegen die nicht mal selbst mit.
    Das Geld für Schulen und Bildung wird von Leuten vergeben, von denen man vermuten kann, dass sie selbst nie eine Schule besucht haben.
    Immer nach dem Motto: "Es steht so im Gesetz, dann muss es auch so gehen – schaut wie ihr’s hinbekommt."
    Mit den Lehrerstunden und dem Lehrkräfte ist es doch das Gleiche, genauso wie mit den Klassengrößen etc …
    Kann dir nur voll zustimmen!

  5. seelenruhig | Samstag, 11. August 2007 23:02
    5

    Ja und Nein… wir in Bayern bezahlen 40 Euro Büchergeld im Jahr – dafür, dass oft gar kein Buch ausgegeben wird (noch nicht gedruckt -wegen neuer Rechtschreibung) oder aber mein David – nun 15 – bekommt Bücher, die nach Keller und Moder stinken und die ich schon benutzt habe (ich war im selben Gymnasium) – dafür habe ich keine Lust Büchergeld zu bezahlen – und würde wirklich gern was drauflegen für wirklich gute Sachen…. Ach je – ich enspann mich nochmal ne Runde, denn wi rhaben noch bis Mitte September Sommerferien… Ciao Ellen

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