Ake Edwardson, Zimmer Nr. 10
“Der Nobemberhimmel weinte, als wäre das Ende der Welt nahe. Der Wind rüttelte an den Fenstern, als wollte er ins Präsidium einbrechen.” Ähnlich dunkel, aber auch unheimlich ist die Atmosphäre im siebten Roman um Kommissar Erik Winter. Zu Beginn hat er es mit dem Tod einer jungen Frau zu tun, die offensichtlich Selbstmord begannen und sich erhängt hat. Doch ihre weiß angemalte Hand weckt das Misstrauen des Kommissars. Umstände dieses Falles erinnern Winter an seinen ersten vor ca. zwanzig Jahren, das Verschwinden einer ebenfalls jungen Frau, den er damals nicht aufklären konnte, eine bleibende Narbe auf der Kommissarseele. Später wird die Mutter der Toten ermordet aufgefunden, mit einem weißen Finger. Der Kommissar ermittelt in viele Richtungen, kommt aber lange nicht weiter, obgleich er unter Hochdruck arbeitet, da er mit seiner Lebensgefährtin und seinen beiden Kindern nach Marbella will. Er hat eine halbjährige Auszeit beantragt, in der er grundlegend über seine Zukunft und die Richtung nachdenken will, in der es weitergehen soll. Zum Schluss gerät er selbst in Lebensgefahr.
Ein spannender, nicht einfacher Kriminalroman mit einem sympathischen Kommissar, der eine erstaunliche Bandbreite menschlicher Verhaltensweisen zeigt, der sich nicht schämt zu weinen und Stille deuten kann: “Im Treppenhaus herrschte eine unheimliche Stille, die schlimmste, als wartete sie nur auf sie. Winter hatte gelernt, Stille einzuschätzen. Früher oder später würde sie anfangen zu brüllen.”
Wie gut, dass ich mit dem letzten angefangen habe, so kann ich die vorher geschriebenen noch lesen und muss nicht auf den nächsten Winter-Krimi warten.
Ake Edwardson, Zimmer Nr. 10, Berlin 2007, 478 S., ISBN 978-3-548-60761-0
