Khaled Hosseini, Drachenläufer

„An einem eiskalten, bedeckten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich – im Alter von zwölf Jahren – zu dem, der ich heute bin. Ich erinnere mich noch genau an den Moment: Ich hockte hinter einer bröckelnden Lehmmauer und spähte in die Gasse in der Nähe des zugefrorenen Bachs. Viel Zeit ist inzwischen vergangen, aber das, was man über die Vergangenheit sagt, dass man sie begraben kann, stimmt nicht. So viel weiß ich nun. Die Vergangenheit wühlt sich mit ihren Krallen immer wieder hervor. Wenn ich heute zurückblicke, wird mir bewusst, das ich die letzten sechsundzwanzig Jahre immerzu in diese einsame Gasse gespäht habe.“
Amir und Hassan sind Freunde, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, aber Freunde, die zueinander halten, die durch Dick und Dünn gehen, gemeinsam viel Spaß haben, obschon Hassan eigentlich der Diener Amirs ist. Beide haben aber dieselbe Amme gehabt – aus unterschiedlichen Gründen: Die Mutter Amirs ist bei der Geburt gestorben, die Hassans kurz nach dessen Geburt einfach davon gelaufen.
Drachen steigen zu lassen, ist ein gemeinsames Vergnügen, zusammen sind Amir und Hassan unschlagbar. Amir hat die besten Drachen und lernt von Hassan viele Tricks, wie er Mitbewerber aus dem Wettbewerb drängen kann. Sieger ist derjenige, dessen Drache bis zum Schluss am Himmel bleibt und der dann noch den Drachen des Gegners als Trophäe mit nach Hause bringt. Dann ist es soweit: Amirs Drache ist der letzte am Himmel und Hassan findet mit seinem untrügerischen Instinkt den Drachen des Besiegten – in einer Gasse. Was dort passiert, verändert das Leben der beiden von Grund auf, ihr bis dahin gemeinsamer Lebensweg sich trennt. Lebend sehen sie sich nicht wieder.
Der „Drachenläufer“ ist ein in epischer Breite erzählter Roman über Freundschaft, Liebe, Wahrheit und Verrat, ein Roman, der gleichzeitig über die jüngste Vergangenheit Afghanistans informiert, über die Herrschaft der Russen, die Ablösung durch die Taliban, die anfangs als Retter, als Befreier begrüßt worden sind, um anschließend eine noch grausamere Schreckensherrschaft zu installieren.
Khaled Hosseini, Drachenläufer, Berlin, 18. Aufl. 2007, 386 S., ISBN 978-3-8333-0149-0

Datum: 8. Dezember 2007
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3 Kommentare

  1. seelenruhig | Samstag, 8. Dezember 2007 16:06
    1

    Liegt gerade bei mir neben dem Bett – bald ist es als nächstes Buch dran. Freu mich drauf! lg ellen

  2. mona lisa | Samstag, 8. Dezember 2007 17:16
    2

    Manche Passagen eignen sich nicht als Nachlektüre! Bin mal gespannt, wie es dir gefällt.

  3. 3

    […] sieht, der kann sich den kommenden Donnerstag vormerken, an dem die Verfilmung von Hosseinis “Drachenläufer” in die Kinos kommt. Kritiken kann man u.a. in der heutigen “Welt am Sonntag” […]

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