Erich Schützendorf, In Ruhe alt werden können?

Dass man sich über Sterben und Tod Gedanken macht, stößt meist auf Verwunderung derer, die es mitbekommen. Dass man aber Abschiede und die damit verbundene Trauer als Lebensbewältigung ansieht, Tod oder die vielen Tode, die man stirbt, als Teil des Lebens ansieht, gleichzeitig aber auch als Vorbereitung auf das endgültige Ende, ruft in der Regel Kopfschütteln und oft die Frage hervor, ob man unter Depressionen leide.

In seinen „Widerborstigen Anmerkungen“ macht Erich Schützendorf ähnliche Erfahrungen. Auf einem Treffen für über 55-Jährige fragt die Leiterin, die er ironisch als Animateurin bezeichnet, nach den Wünschen der Anwesenden und listet sie auf. In die heitere Stimmung hinein, die durch die Visionen über eine glückliche, selbstbstimmte Zukunft entsteht, äußert er folgenden Wunsch:“ ‚Ich würde mich gerne mit anderen über das Ableben unterhalten‘ “ . Als Antwort hört er: “ ‚Da werden Sie bei den hier Anwesenden kein Glück haben.‘ Sie hatte Recht. Mein Wunsch wurde noch nicht einmal in die Liste aufgenommen.“
„In Ruhe alt werden können?“ ist der Titel der widerborstigen Ansichten von Erich Schützendorf , ein lesenswertes Büchlein, das sich humorvoll, (selbst-) ironisch, z.T. bissig mit verschieden Aspekten des Alterns beschäftigt. In diesen oder jenen Gedankengängen finde ich mich wieder.
Lesenswert für „Zwischendurch“, die einzelnen Kapitel hallen nach, provozieren Gedanken über die eigene Situation, lassen Fragen entstehen. Nichts, was man „an einem Stück“ lesen muss.

Erich Schützendorf, In Ruhe alt werden können? Widerborstige Ansichten, 2. Auflage FFM 2006, 122 S., ISBN: 3-938304-05-7

Datum: 30. Januar 2008
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3 Kommentare

  1. Ulinne | Donnerstag, 31. Januar 2008 0:32
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    Hört sich interessant an!
    Ich hab schon immer gern über meinen Tod (irgendwann) nachgedacht, gern darüber gelesen (z.B. Kübler-Ross) und gesprochen, aber beim Sprechen bin auch ich immer auf eine Mauer gestoßen. Die Leute blenden lieber aus, nicht hinschauen, kommt zwar (möglichst in ferner Zukunft), aber bis dahin verschließen wir lieber die Augen davor. Einfach zu unangenehm – der Gedanke, dass das Leben endlich ist.
    Da wird dann auch nix geregelt, und wenn es so weit ist, müssen sich in der Regel andere um die organisatorischen Sachen kümmern.
    Nee, bei mir möchte ich das möglichst vorher alles planen, hab mir schon einen schönen Waldfriedhof in der (relativen) Nähe ausgeguckt.
    Außerdem freu ich mich auch auf die „Zeit danach“, denn ich glaube daran, dass meine Seele dann erst so richtig loslegen kann – befreit vom Körper und allem Materiellen. Dann seh ich mir mal so richtig von ganz nah alle Sterne/Planeten an, versuche herauszufinden, wo das „Weltall“ zuende ist – usw. (ich weiß nicht wie lang hier ein Eintrag sein darf. *grins)
    Aber da sprichst du auch was an, da werde ich demnächst mal in meinem Blog einen Beitrag zu schreiben … ;-)
    Ich grüße dich, „Mona Lisa“ (wie heißt du eigentlich richtig?
    Ulrike

  2. Ulinne | Donnerstag, 31. Januar 2008 0:54
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    Ach – übrigens, ML: Einige der Bäume, die wir vor 12 Jahren gepflanzt haben, sind inzwischen auch schon wieder weg. Wurde doch ein bissel viel.

    Und Felder schließen sich hinter euren Haus an? Schööön! Ja, so war das bei uns auf Mylopa auch – nix als Gegend um uns herum, kein Haus in sichtbarer Entfernung. War schon toll …
    Und eine Gärtnerin hast du??? Wow!
    Ist euer Grundstück denn so groß?

  3. mona lisa | Donnerstag, 31. Januar 2008 21:55
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    Nein, Gärtnerin ist der falsche Ausdruck, es ist wohl eher eine Landschaftsgärnterin, die mir bei der Anlage des Gartens bzw. der Planung zur Seite gestanden hat, ich habe ihr erzählt, wie ich mir den Garten vorstelle, wie pflegeleicht er sein soll, dass ich Stauden nur in anderen Gärten leiden mag, und dann haben wir gemeinsam ein Konzept entwickelt, mit dem ich sehr zufrieden bin.
    Ps, der Name findet sich im Impressum.

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