Gleichgewicht

„Gleichgewicht ist nicht „Entweder – Oder„. Es ist Und.“

(Stephen R. Covey)

Dieser Satz ist mir heute Morgen in die Augen gesprungen. Sofort habe ich gedacht: Ja, wie oft in meinem Leben bin ich von anderen in Situationen gebracht worden, in denen sie mir klar machen wollten, es gebe nur ein entweder … oder und ich hätte mich zu entscheiden für das eine oder das andere. „Entweder du machst dies oder du hast mich/ uns nicht mehr gern.“ „Entweder du hast einen Freund oder du studierst. Beides geht nicht.“ Ich wollte meinen Freund nicht aufgeben und studieren. Ich habe ihn nicht aufgegeben und studiert. In welch ungeheuren Konflikt kommt man, wenn man diese Sätze nicht als das entlarven kann, was sie sind: Erpressungen. In vielen Fällen ist ein sowohl … als auch ja möglich, man muss „nur“ nach neuen, anderen Wegen suchen.
Die entweder… oder Strategie ist eine Machstrategie, bei der es nur einen Sieger und einen Verlierer geben kann und jeder muss versuchen, der Sieger zu sein. Bei diesem Spiel gewinnt im Grunde genommen keiner. Schwarz oder Weiß, dazwischen gibt es nichts, jedenfalls nicht für die entweder … oder Strategen. Wie arm, einseitig, gefährlich und hart ist diese Welt, in der es immer ums eigene Überleben geht. Kompromisse sind da nicht möglich, da hätte der andere sich ja schon durchgesetzt! Wo kämen wir denn dahin? Das wäre der Anfang vom Ende!
Doch, was ist mit den vielen Grautönen, die zwischen Schwarz und Weiß liegen? Wie interessant kann es sein, diese diffizielen Abstufungen wahrzunehmen. In der Welt der sowohl … als auch Strategen, kann ich Kompromisse aushandeln, ohne unbedingt das Gefühl haben zu müssen, der andere habe mich besiegt. Sowohl der andere als auch ich.
Ist das nicht eine Welt, die interessanter, lebendiger, flexibler ist? Vielleicht auch anstrengend, aber bestimmt spannender: Freund und Studium, eigene Wege der Kinder und trotzdem Liebe zu den Eltern, Nähe und Distanz, Hingabe und Selbstständigkeit, Bindung und Freiheit….

Datum: 5. April 2008
Themengebiet: Alltägliches, Aufgelesen, Zitate Trackback: Trackback-URL
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4 Kommentare

  1. seelenruhig | Donnerstag, 10. April 2008 7:34
    1

    Ja, genau so denke ich auch! Lass uns nicht nur die Grautöne sehen, zwischen Schwarz und Weiß, sondern alles bunten Farben auch noch!!

    Herzensgrüße von Ellen

  2. vered | Sonntag, 13. April 2008 19:20
    2

    Den Eintrag möchte ich geschrieben haben!

  3. mona lisa | Sonntag, 13. April 2008 21:16
    3

    Heißt was?

  4. Ulinne | Montag, 14. April 2008 20:19
    4

    Genau ist ja auch dieses „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ des Herrn Bush. Schlimm – dieses Schwarz-Weiß-, Gut-Böse-Denken.
    Ich glaube, die Menschen, die in diesen starren Bahnen denken, sind im Grunde recht einfach gestrickt, ihnen fehlt die Fantasie für die verschieden grauen und bunten Zwischentöne.
    Als Kind war ich auch noch recht anfällig für eine solche Erpressung, doch je mehr einem mit dem Wachsen auch die Augen geöffnet werden, umso klarer sieht man die Wege dazwischen.
    Du hast das wieder einmal schön beschrieben.
    Liebe Grüße, und ich hoffe, dir geht es mittlerweile wieder etwas besser.
    Ulrike

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