Ein Tag voller Überraschungen

Auf dem Weg zum Auto traue ich meinen Augen nicht: Da liegt ein älterer Mann auf dem Boden und auf ihn prügelt ein Jüngerer ein, schlägt ihm die Brille aus dem Gesicht und seine Fäuste auf den Kopf. Die Leute gucken. Ich renne über die Straße und frage den Prügelnden, weshalb er den Mann denn schlage? Erstaunt schaut er mich an, hört mit dem Prügeln auf und fragt, was mich das denn überhaupt angehe? Meine Frage an den Älteren, ob ich ihm helfen könne, wird nicht beantwortet. Er nimmt seine Brille und steigt ins Auto. Das macht er immer so! Ich muss mich ja nicht beleidigen lassen! Ob Schlagen denn die richtige Antwort sei? – Keine Antwort. Ich schaffe es in der Aufregung nicht, mein Handy einzuschalten, um die Polizei anzurufen und kann gerade noch das Autokennzeichen, die Uhrzeit und den Straßennamen notieren, bevor der Mann wegfährt. Mein Weg führt an der Polizei vorbei, ich steige aus und berichte dem wachhabenden Polizisten, was ich erlebt habe, gebe meine Personalien an und kann dann gehen.

Eine Überraschung ganz anderer Art erwartet mich in in der Fußgängerzone : Puppenspieler, begleitet von einem Harmonium, ziehen meine Aufmerksamkeit und die anderer Passanten an. Ich bleibe stehen und genieße die Vorstellung.
In einer Buchhandlung werde ich von einer jüngeren Frau mit strahlenden, großen Augen gefragt, ob sie mir ein Gedicht vorlesen könne. An einem Tischchen sitzend, hat sie Unmengen verschiedener Lyrikbändchen vor sich liegen, Fundstellen bunt markiert. Ein Stuhl lädt zum Verweilen ein. Möchten Sie mir ein Stichwort geben oder soll ich ihnen etwas anbieten? Ich bin im „Vorlesezimmer“ von Claudia Schnürer gelandet.
Ich beschließe, mich überraschen zu lassen. Drei Gedichte darf ich mir anhören: Friederike Mayröcker „Wird welken wie Gras“, Rose Ausländer „Nicht fertig werden“ und „Raum II“. Dankbar und tief berührt gehe ich nach Hause. Ich fühle mich reich beschenkt.

Datum: 13. Juni 2008
Themengebiet: Aufgelesen, Aufgeschnappt, Merk-Würdiges, Worte Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

5 Kommentare

  1. Goldmarie | Freitag, 13. Juni 2008 22:01
    1

    Und wo ist die Überraschung bei der ersten Episode, wenn zwei deiner blog posts das Wort „Mörder“ im Titel tragen? So groß ist der Unterschied zwischen einem Buch und der Wirklichkeit nun auch wieder nicht!

  2. mona lisa | Sonntag, 15. Juni 2008 9:57
    2

    Sorry, ich verstehe diesen Eintrag überhaupt nicht. Kannst du mir vielleicht verraten, was ich unter blog post verstehen muss. Wie der Titel entstanden ist, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis. Daher Unverständnis. Bitte um Aufklärung. Dann kann ich sicher auch antworten.
    Einen schönen Sonntag!

  3. Goldmarie | Sonntag, 15. Juni 2008 14:05
    3

    Entschuldigung- ich wollte nicht verwirrend sein! Es war ein „Schnellschuss comment“!
    Was ich assoziiert habe war:Du übertitelst: Ein Tag voller ÜBERRASCHUNGEN und beschreibst dann diese Schlägerei.
    Nachdem ich daran glaube, dass Gedanken Wirklichkeiten anziehen, lese ich niemals Krimis (oder schaue sie im TV an).
    Daher brachte ich die Titel deiner posts „Mädchenmörder“ und „Sternstunde der Mörder“ mit der überraschenden Gewaltszene in Verbindung und meinte deshalb, das sei nicht überraschend. (Mord….. Gewalt)
    Ausgeblendet hab ich allerdings die nette Szene mit den Gedichten! Das ist natürlich auch eine Überraschung gewesen!
    okay?
    Ebenfalls einen schönen Sonntag!
    P.S. die Fanmeile ist super – bin gespannt wie am Montag DAS SPIEL ausgeht! :-)

  4. Ulinne | Montag, 16. Juni 2008 12:24
    4

    Na, ich muss schon sagen: ICH fände es SCHON sehr überraschend, wenn vor meinen Augen ein Mann – auf dem Boden liegend – verprügelt wird, Goldmarie. So etwas erlebt man ja (Gott sei Dank!) nicht jeden Tag!
    Weiter finde ich diese Situation überraschen, weil anders erwartet, dass dieser Geprügelte sich dann ohne ein Wort (des Dankes für mein Eingreifen z.B., könnte man ja mal machen …) einfach entfernt.
    Und ja – auch die anderen Erlebnisse dieses Tages dürften überraschend, weil nicht alltäglich sein.
    Es steht halt jeder Eintrag für sich selbst. ;-)

    Und was das Fußballspiel angeht: Ich weiß nicht, ob ich mir das heute Abend antue … – zu aufregend …

  5. goldmarie12 | Montag, 16. Juni 2008 16:14
    5

    Eine Episode fällt mir ein, an die ich schon lang nicht mehr gedacht habe: Ich fuhr in einer fast leeren Straßenbahn am frühen Nachmittag. Plötzlich stand ein Mann auf, der hinter dem Fahrer gesessen war, ging durch den ganzen Wagon nach hinten und als er bei einem Mann vorbei kam gab er diesem eine schallende Ohrfeige. Dann riss er die Tür auf und rannte davon, Der geohrfeigte Mann gab an, den Schläger noch nie davor gesehen zu haben.
    Was es nicht alles gibt – aber umgekehrt: Was gibt es eigentlich nicht?
    P.S. Mit einem Bein stehe ich schon auf der Fan-Meile – die tolle Stimmung muss ich mir geben…….

Kommentar abgeben