Kanitverstaan
Mit meinem Sohn habe ich den Vortrag eines Englisch bzw. Amerikanisch sprechenden Philosophieprofessors besucht. Mir schwante zwar, dass ich kaum entwas verstehen würde, war aber dennoch neugierig und bin mitgegangen.
Ja, ich habe so gut wie nichts verstanden, das Stillsitzen fiel mit der Zeit zunehmend schwer, da die Luft in dem Raum immer stickiger wurde, die Fenster aber nicht geöffnet werden konnten, denn die nahe Auto- und Eisenbahntrasse hätten ein Verstehen akustisch unmöglich gemacht.
Spannend fand ich den Abend dennoch. Ich habe Beobachtungen en masse machen können. Der Vortrag aber war eine Zumutung. Inhaltlich kann ich es nicht beurteilen (s.o.), doch von Adressatenbezug war kaum etwas zu bemerken: Augenkontakt fehlte nahezu den gesamten Vortrag über. Das Redetempo war sicher für die meisten Anwesenden, deren Muttersprache eben nicht englisch ist, zu schnell, die Aussprache zu unklar, selbst akustisch war der Vortrag schwer zu verstehen. Der Redner nuschelte sich den Vortrag in seinen Bart, der aufgrund seiner Länge die Krawatte ersetzte.
Die Institutsangehörigen bekamen – im Gegensatz zu den meisten Zuhörern – den Vortrag in kompletter Länge als Manuskript, so dass sie ihn während des Hörens gleichzeitig lesen konnten. Das “Fußvolk” spricht Studenten und Gasthörer wurden mit einem “handout” bedacht. Wer hatte nun was nötiger?
Kleidung und Frisuren der meisten Anwesenden dienten eher dazu, den Träger, die Trägerin zu entstellen, so als wenn eine gewisse Ästhetik die Ernsthaftigkeit der philosophischen Bemühungen infrage stellen könnten. Aber vielleicht sollte eher eine Unabhängikeit vom “main stream” demonstriert werden. Wie auch immer, ich habe mich gut beschäftigt.

Wenn das Phänomen der sich “selbst erfüllenden Prophezeihung” stimmt, hättest du ja direkt lieber zu Hause bleiben können (zu 50 % Spaß
)
Aber, hast du eine Ahnung, warum sie sich immer so ausdrücken, daß man nichts versteht? Der Frage versuche ich schon einige Zeit auf den Grund zu gehen.