Doris Lessing, Das fünfte Kind

Um es vorwegzunehmen: Diesen Roman muss man nicht gelesen haben. Der bereits 1988 erschienene Band ist die Geschichte einer Familie, die mit einer Betriebsfeier beginnt, auf der Harriet und David sich kennen lernen. Schnell sind sie sich einig darüber, dass sie heiraten und eine große Familie gründen wollen. Aber noch nicht sofort. Erst muss ein Haus gefunden werden, in das die zukünftige Famile auch hineinpasst. Die finden es zwei Stunden von London, der Arbeitsstätte Davids entfernt. Dann aber wird Harriet sofort schwanger, bekommt ein Kind nach dem nächsten. Die beiden sind hochzufrieden und glücklich, trotz der bissigen Bemerkungen der Familie, ihrer finanziellen Abhängigkeit von den Eltern, da David das Haus und und die mittlerweile vier Kinder nicht allein finanzieren kann.
Zu allen Festtagen kommt die komplette Verwandtschaft und bleibt oft wochenlang, weil es so gemütlich in dem Haus ist. Das alles endet jäh mit der Geburt des fünften Kindes, dessen Schwangerschaft schon alles andere als normal verläuft. Harriet hat das Gefühl, einen Gnom zur Welt gebracht zu haben, ein fremdes Wesen, dass sie fürchtet und ablehnt. Dennoch bemüht sie sich sehr, dieses Kind zu lieben und zu einem normalen Mitglied der Gesellschaft zu erziehen. Diese mütterliche Solidarität wird aber nur am Anfang mühsam und dann auch nur verstandesmäßig von einigen Verwandten akzeptiert. Die meisten ziehen sich zurück, die gemeinsamen Feste fallen aus, die Kinder verlassen eins nach dem anderen das Haus, weil sie mit Ben, dem fünften Kind nicht unter einem Dach leben wollen. Und Harriet wird immer kraftloser, so dass sie den Grenzverletzungen Bens zum Schluss nichts mehr entgegensetzten kann.
Obwohl diese Geschichte ungewöhnlich ist, finde ich sie insgesamt langweilig erzählt.

Doris Lessing, Das fünfte Kind, Deutsch von Eva Schönfeld Augsburg 2005, 160 S., ISBN 3-89897-120-1

Datum: 22. Juli 2008
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4 Kommentare

  1. seelenruhig | Donnerstag, 24. Juli 2008 11:58
    1

    Das fünfte Kind hat mein Mann mal gelesen und war sehr bbeindruckt von dem Buch. Er ist großer Doris Lessing-Liebhaber. Ich selbst kenne nru “Das goldene Notizbuch”

    Zur roten Ledertasche: ich habe soeben mit einem guten Freund telefoniert, der eine Reinigung mit Färberei betreibt. Auch Ledersachen.
    Er sagt, dass man Leder schon nachfärben kann – aber in derselben Farbe. Mittlerweile gibt es Farben die gut sind und nicht abreiben auf die Kleidung etc…
    Er schlägt dir aber vor, du solltest es erst mal mit einer Lederpflege versuchen. Die dringt ein in die Proen, sättigt sie und frisch auf diese Weise auch die Farbe wieder auf.

    Viele liebe Grüße

    Ellen

  2. mona lisa | Donnerstag, 24. Juli 2008 22:14
    2

    Weißt du, was genau ihn fasziniert hat?

    Dass Lederpflege die Poren auffrischt, habe ich auch erfahren. Das Problem ist – aber nicht nur bei rotem Leder, sondern z.B. auch bei rotem Leinen, dass Sonneneinstrahlungen, das Material verblassen lässt, leider meist nicht gleichmäßig. Und genau das ist mein Problem bei dem Lederbeutel. Aber ich versuche es noch einmal.

  3. seelenruhig | Freitag, 1. August 2008 17:38
    3

    Was ihn fasziniert hat? Der außergewöhnliche Blickwinkel – er hat sogar das Folgebuch gelesen.

    Schönes Wochenende dir! Ellen

  4. Helgamaus | Donnerstag, 26. Februar 2009 21:29
    4

    Ich lese Doris Lessing sehr gerne. Habe auch dieses Buch vor Jahren gelesen. Es hat mir sehr gefallen.

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