“Da ist sie wieder!”

War mal wieder auf meiner Insel, der “Insel fürs Leben“. Es war Zeit. Der Anfang war schwierig, da ich bisher fast ausschließlich mit meinem Mann dort gewesen bin und jedes Fleckchen mit Erinnerungen an ihn verknüpft sind. Diese rufen immer noch heftige Schmerzen hervor, verbunden mit einer tiefen Dankbarkeit für das, was ich mit ihm (dort) erleben durfte.

Einer Tradition folgend bin ich abends noch mit dem Hund eine Runde spazieren gegangen und habe vor der Haustür gemerkt, dass ich statt des Haustürschlüssels den Fahrradschlüssel eingesteckt hatte! Und das um elf Uhr abends. Zum Glück hatte ich das Schlafzimmerfenster offen gelassen. Doch das liegt im ersten Stock!! Ein Blick in den Abstellraum ließ mich verzweifeln: Eine Leiter war nicht vorhanden.
Ich in die nächste Kneipe nach einer Leiter fragen. Kopfschütteln war die Antwort. Zielstrebig habe ich – mit dem Hund an der Leine – das nächste Hotel angesteuert. “Gut dass Sie kommen!” wurde ich von zwei Jugendlichen begrüßt. Fragezeichen müssen mir auf der Stirn gestanden haben. “Wir haben keinen Schlüssel und kommen nicht rein!!” Tja, das standen wir nun zu dritt. Hilfe kam in Gestalt des Vaters, der die beiden Jungendlichen, denen ich inzwischen meine Situation geschildert hatte, hereinlassen konnte. Der Hotelbesitzer war freundlich und suchte – lange – nach einer passenden Leiter, die der Vater mir dann zur Wohnung trug. Unterwegs fuhren die beiden Jungen an uns vorbei, die eine längere Leiter organisiert hatten. Vater zurück, ich mit den Jungs zur Wohnung. Leiter aber dennoch zu kurz.
Ich verreise immer mit Aluminiumkisten, die aufeinandergestapelt eine solide Verlängerung der Leiter darstellten. Dennoch: die Leiter reichte nicht, die Fläche der Kisten war nicht so groß, dass man die Leiter ausklappen konnte, so dass sie letzte Stufe nicht als Stufe zu gebrauchen war. Früher – in Zeiten als die Mode noch nicht auf lange schlanke Frauen eingestellt war – habe ich meine langen Beine und Arme oft verflucht. Nun aber war ich dankbar. Sie dienten als Verlängerung, so dass ich mich mit Hilfe der beiden Jungen, die die Leiter auf der Kiste vor dem Verrutschen bewahrten, auf die Fensterbank ziehen konnte.
Mit dem richtigen Schlüssel ausgestatten bin ich dann wieder nach unten und wollte die Kisten zurück in den Abstellraum bringen. Doch das hatten die beiden schon erledigt. Zutiefst dankbar, die Nacht nicht mit Hund im Strandkorb verbringen zu müssen, habe ich mich bei den beiden bedankt und ihnen einen Obolus in die Hand gedrückt. “Wenn noch mal was ist, dann wissen Sie ja, wo wir wohnen. ” Bepackt mit der Leiter fuhren sie davon.
Am nächsten Abend hörte ich bei meinem Rundgang :”Da ist sie wieder!!” “Dieses Mal habe ich den richtigen Schlüssel dabei! Aber noch einmal, danke!”

Datum: 8. August 2008
Themengebiet: Allgemein, Merk-Würdiges Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

Kommentar abgeben