Ein Buch als Lebensretter

Welche Bedeutung haben Bücher für euch? Das würde mich  interessieren. Ich habe hier schon öfter Zitate über Bücher veröffentlicht, hin und wieder auf die Bedeutung für mich hingewiesen.
Bücher sind für mich Freunde, mit denen ich die Welt entdecken kann, die mich über mich selbst nachdenken lassen, die mir stets zur Verfügung stehen, unabhängig vom Wetter, der Jahreszeit, meiner eigenen Gemütsverfassung.
Dass Bücher lebensrettend sein können oder zumindest vor dem Wahnsinn bewahren können, habe ich noch einmal in der berühmten „Schachnovelle“ von Stefan Zweig lesen können. Ein Jurist, Inhaber einer Kanzlei wird von der Gestapo inhaftiert, aber nicht in ein Konzentrationslager gebracht, sondern in ein Hotel. Hört sich nach bevorzugter Behandlung an, doch der Gefangene wünscht sich nach Wochen oder sind es inzwischen Monate der Isoaltionsfolter?, er wäre in ein Konzentrationslager gebracht worden, denn dann hätte er etwas tun können, hätte Gesichter, vielleicht Bäume, Wolken, Blumen gesehen. Doch einsam in seinem Hotelzimmer ist er konfrontiert mit dem Nichts: „Man tat uns nichts – man stellte uns nur in das vollkommene Nichts, denn bekanntlich erzeugt kein Ding auf Erden einen solchen Druck auf die menschliche Seele wie das Nichts. Indem man uns jeden einzeln in ein völliges Vakuum sperrte, in ein Zimmer, das hermetisch von der Außenwelt abeschlossen war, sollte, statt von außen durch Prügel und Kälte, jener Druck von innen erzeugt werden, der uns schließlich die Lippen aufsprengte.“
Der Gefangene merkt, wie sich seine Gedanken, seine Konzentrationsfähigkeit verwirren und sieht eines Tages die Möglichkeit, als er mehrere Stunden auf sein Verhör warten muss, in einer Manteltasche eine „rechteckige Form der Ausbuchtung … : ein Buch! Mit begannen die Knie zu zittern: ein BUCH! Vier Monate lang hatte ich kein Buch in der Hand gehabt,  und schon die bloße Vorstellung eines Buches, in dem man aneinandergereihte Worte sehen konnte, … hatte etwas Berauschendes und gleichzeitig Betäubendes.“ Der Gefangene schafft es, das Buch in sein Zimmer zu schmuggeln. Wie er die Vorfreude auskostet ist herrlich beschrieben ebenso die Enttäuschung, dass es sich „nur“ um ein Schachbuch handelt. Doch dieses Buch setzt ungeahnte Fähigkeiten und Fertigkeiten in dem Inhaftierten frei, die ihm letzendlich das Leben retten. Wie, das verrate ich hier nicht. Ist nachzulesen in Stefan Zweig, „Meistererzählungen“, Fischer Verlag, Sonderausgabe, S. 426-491

Datum: 9. September 2008
Themengebiet: Allgemein, Denk-Würdiges, Frag-Würdiges, Merk-Würdiges, Worte Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Wildgans | Dienstag, 9. September 2008 19:33
    1

    für mich war nicht EIN buch lebensrettend, sondern mehrere- eines hatte ich zum anschauen, war von einem spanischen maler mit vielen alltagsszenen drin- und eines war von theodor storm: pole poppenspäler, später kam noch „katz und maus“ von grass dazu. als kind war ich gezwungen, einige jahre bei meiner hexenoma zu leben, die mich nicht wollte und böse behandelte- die bücher waren DAS überlebensgeländer….
    gruß von sonia

  2. birgit | Mittwoch, 10. September 2008 19:50
    2

    ich war ein ängstliches kind
    ausserdem hatte ich an den händen eine art neurodermitis so dass ich nur selten draussen mit anderen spielen konnte
    ich habe mich quer durch den bücherschrank meiner eltern gelesen
    lesen war und ist für mich leben
    lg birgit

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