Haruki Murakami, Afterdark

Mit meiner Begeisterung für Romane Murakamis habe ich den einen oder anderen schon anstecken können. Das freut mich, denn ich finde seine Romane höchst unterhaltsam und faszinierend.
Von “Afterdark” allerdings bin ich ein wenig enttäuscht. Dieser relativ kurze Roman spielt zwischen Mitternacht und Morgendämmerung und erzählt, womit sich die 19-jährige Mari, Takahashi, ein Posaune spielender Jurastudent, sowie Besucher und Angestellte eines “Love-Hotels” die Nacht über beschäftigen. Es passiert nichts Weltbewegendes, die Personen kommen einander näher, stehen sich bei, trennen sich wieder und gehen eigene Wege, teilweise mit dem - einseitigen - Versprechen, Kontakt zu halten, da man einander sympathisch ist und glaubt, sich gut unterhalten zu können. Gleichwohl stehen alle Personen am Rande eines Abgrundes:” … auch wenn der Boden, auf dem wir stehen fest zu sein scheint, braucht nur irgendetwas zu passieren, und wir brechen tief ein. Und dann ist alles vorbei, wir können nie mehr zurück. Danach leben wir nur noch allein dort unten, in einer halbdunklen Welt.”
Diese halbdunkle Welt kommt auch in diesem Roman ins Spiel, wenn von Maris Schwester Eri erzählt wird, sie schlafe dornröschengleich seit mehr als zwei Monaten, stehe wohl auf und esse, weshalb keine Gefahr für ihr Leben bestehe, doch niemand bekommt mit, dass, wann und wenn sie aufsteht. Sehr viel informierter ist auch der “Wir-Erzähler” nicht, der mich persönlich mit seinen Kommentaren nervt, gleichwohl aber wie durch eine Kamera - oder ist es der Bildschirm in Maris Zimmer ? - Eri beobachten kann, die offensichtlich die Zimmer, sprich die Welten wechselt.
Nein, zum ersten Mal muss ich sagen, den Roman Murakamis muss man nicht gelesen haben.

Haruki Murakami, Afterdark, aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, München 2007, 237 S., ISNB 978-3-442-73564-8

Datum: 24. Oktober 2008
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Ein Kommentar

  1. Andi | Freitag, 21. November 2008 14:53
    1

    Das habe ich auch so empfunden. Das Buch ist an mir vorbeigeglitten, ohne Spuren zu hinterlassen in jegliche Richtung. Gerade das ist aber auch sehr angenehm, da ich aus dem Buch und mir als Leser damit machen kann, was ich möchte.

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