Freunde

“Geh nicht vor mir! Ich werde dir nicht folgen. Geh nicht hinter mir! Ich werde dich nicht führen. Geh einfach neben mir und sei mein Freund.”

(Albert Camus)

“Ich war nicht immer mit allem einverstanden, was du gemacht hast, aber ich war immer dein Freund!” Das waren die Abschiedsworte des langjährigen Freundes meines Mannes während der Totenfeier. Worte, die mich tief berührt haben. Dieser Freund ist mit mir in Kontakt geblieben.
Doch habe ich auch öfter bitter erfahren müssen, dass “Freunde” wenig Verständnis für mich, meine Situation haben, die eher ihre eigenen Befindlichkeiten in den Vordergrund stellen und einer Klärung und Aussprache, für die sie sich in anderen Zusammenhängen immer vehement eingesetzt haben, aus dem Weg gehen und Freundschaften auf’s Eis legen bzw. im Sande verlaufen lassen.
Traurig und schmerzhaft. Loslassen und für Veränderungen, Kehrtwendungen der anderen offen sein, mehr kann ich offensichtlich nicht zu tun.
Ja und offen sein für neue Begegnungen, aus denen neue Freunde hervorgehen können, die dann einfach neben einem hergehen.

Datum: 9. November 2008
Themengebiet: Allgemein, Alltägliches, Zitate Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

2 Kommentare

  1. Ingrid | Sonntag, 9. November 2008 12:05
    1

    Wie schade … Vielleicht wissen sie nicht damit umzugehn; vielleicht ist es ihnen zu lästig, sich auf andere und deren Kummer einzulassen? Dann ware es nur Schönwetter-Freunde. Trotzdem traurig, wie immer, wenn man sich von etwas oder von jemand ‘verabschieden’ muss.

  2. Goldmarie | Montag, 10. November 2008 9:51
    2

    Du sprichst von Begegnungen mit neuen Freunden. Das ist eine schöne Sache, bis auf das Kennen-Lernen. Es ist so angenehmen, mit Menschen in Kontakt zu sein, die deine Biographie kennen. Sie wissen, wie man zu dem geworden ist, was man jetzt darstellt.
    Eine Episode: Ich wartete mit meinem Bruder in einem Lokal auf meine ehemaligen Schulkolleginnen. Als sie kamen sagte eine:”Der sieht aus wie euer Vater!” Mein Vater ist 1973 gestorben und ich wusste nicht, dass es überhaupt noch jemanden gibt, der sich an ihn erinnert. Das war ein schönes Gefühl, obwohl diese SchulFREUNDIN nicht zu meinem engsten Freundinnenkreis gehört. Wir kennen uns aber, seit wir mit 6 Jahren gemeinsam in eine Klasse kamen.

Kommentar abgeben