Hatice Akyün, Einmal Hans mit scharfer Soße

In den Ankündigungen des hiesigen Bildungszentrums habe ich von einer Lesung der Deutsch-Türkin Hatice Akyün erfahren, die ihr neues Buch „Ali zum Dessert“ vorstellen wollte. Bei einem Besuch in einer Buchhandlung habe ich nach ihrem ersten Buch gefragt und „Einmal Hans mit scharfer Soße“ gekauft. Der Klappentext auf der Rückseite des Buches hat mich an Jan Weilers „Maria ihm schmeckt’s nicht“ erinnert, ein Buch, das ich mit großem Vergnügen gelesen habe.
Um so größer war meine Ent-Täuschung beim Lesen dieses Buches, das so gar nicht an das von Weiler heranreicht. Sicher, der Leser bekommt schon mit, dass sich Hatice Akyün offenbar problemlos in der türkischen und deutschen Welt zurecht findet. Denn sie hat es geschafft, sich immer da heimisch zu fühlen, wo sie gerade glücklich ist, so dass sie die ihr oft gestellte Frage: „Fühlst du dich deutsch oder türkisch?“ nicht eindeutig beantworten kann.
Doch gerne hätte ich genauer erfahren, wie sie sich gegen das Leben, das ihre Eltern nach ihren türkischen Traditionen für sie ausgesucht haben, gewehrt hat. Das, was man als Leser erfährt, ist mir zu oberflächlich, z.T. so klischeehaft, dass es mich gelangweilt hat. Weder erfährt man etwas über ihre konkreten Konflike und wie sie damit umgegangen ist, noch über die damit verbundenen Gefühle oder Zwiespältigkeiten. Es muss ja nicht gleich ein „Seelenstriptease“ vorgeführt werden, doch ein wenig mehr Tiefgang – auch humorvoll, ironisch, witzig in der Darstellung – hätte ich mir schon gewünscht.
Dass ich nicht mehr zu der Veranstaltung gegangen bin und dafür 7 Euro Eintrittt gezahlt habe, muss ich sicher nicht mehr erwähnen und auch nicht, dass ich mir „Ali zum Dessert“ erspare.

Hatice Akyün, Einmal Hans mit scharfer Soße. Leben in zwei Welten, 3. Aufl. 2007, 190 S., ISBN 978-3-442-15439-5

Datum: 10. November 2008
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Ein Kommentar

  1. Melli | Mittwoch, 21. Januar 2009 18:16
    1

    Danke für diese tolle Rezension!

    Da gehe ich völlig konform!

    Frau Akyün ist einfach nur eine „Schönwettertürkin“…

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