Spaziergang

Spaziergang

Rotästige Föhren,
Birken silbern und zier,
Schweigsame Buchen,
Sagt, leidet auch ihr?

Und ihr, atmende Blumen
Im summenden Bienengesang,
Ist denn auch euer Leben
so dunkel und bang?

(Hermann Hesse, März 1909)

Summenden Bienen werde ich wohl heute nicht entdecken, schweigsame Buchen sicher, dazwischen aber auch „schreiende“, denn die Holzfäller sind unterwegs. Ich war gestern erstaunt zu hören, wie laut ein umfallender Baum ist. Luna, meine Hündin, ist richtig zusammengezuckt und hat den Schwanz eingezogen.

Kennt ihr vielleicht weitere Spaziergang-Gedichte? Dann lasst es mich bitte wissen.

Datum: 13. November 2008
Themengebiet: Gedichte, Merk-Würdiges Trackback: Trackback-URL
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9 Kommentare

  1. quersatzein | Donnerstag, 13. November 2008 19:09
    1

    Ich geh‘ in Hain und Flur

    Ich geh’ in Hain und Flur
    Nie ohne deine Spur;
    Denn immer muß ich denken,
    Wohin ich nur mag lenken
    Die Augen und den Schritt:
    Hier gingest du einst mit.

    Und werd’ ich hingelangen,
    Wo du nie mitgegangen,
    So denk’ ich wieder: hier
    Gingst du noch nie mit mir;
    O könnt’ ich mit dem neuen
    Spaziergang dich erfreuen!

    Friedrich Rückert

    Mit liebem Gruss
    Brigitte

  2. quersatzein | Donnerstag, 13. November 2008 19:14
    2

    Und gleich noch eines:

    Mein täglicher Spaziergang

    Nur ein paar Birken, Einsamkeit und Leere,
    Ein Sumpf, geheimnisvoll, ein Fleckchen Heide,
    Der Kiebitz gibt mir im April die Ehre,
    Im Winter Raben, Rauch und Reifgeschmeide,
    Und niemals Menschen, keine Grande Misère,
    Nichts, nichts von unserm ewigen Seelenleide.
    Ich bin allein. Was einzig ich begehre?
    Grast ihr für euch, und mir laßt meine Weide.

    Detlef von Liliencron

  3. mona lisa | Donnerstag, 13. November 2008 19:36
    3

    Herzlichen Dank! Vor allem das von Rückert spricht mich in meiner momentanen Situation an.

  4. quersatzein | Donnerstag, 13. November 2008 20:04
    4

    Ja, das kann ich mir denken. Hoffentlich macht es dich nicht allzu traurig. (Sonst täte es mir leid, es geschickt zu haben…)

  5. mona lisa | Donnerstag, 13. November 2008 21:41
    5

    Nein, mach dir keine Sorgen!

  6. tine | Freitag, 14. November 2008 15:49
    6

    Oh, es gibt noch einige.
    Zum beispiel von Kästner:
    nächtliches Rezept für Städter

    nasser November

    oder auch Ringelnatz:
    Bist du schon auf der Sonne gewesen?

    Bist du schon auf der Sonne gewesen?
    Nein? – Dann brich dir aus einem Besen
    Ein kleines Stück Spazierstock heraus
    Und schleiche dich heimlich aus dem Haus
    Und wandere langsam in aller Ruh
    Immer direkt auf die Sonne zu.

    So lange, bis es ganz dunkel geworden.
    Dann öffne leise dein Taschenmesser,
    Damit dich keine Mörder ermorden.
    Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,
    Dann ist es fürs erstemal schon besser,
    Daß du dich wieder nach Hause schleichst.

    Joachim Ringelnatz

    Gruss, Tine

  7. mona lisa | Freitag, 14. November 2008 19:11
    7

    Danke Tine, die Gedichte auf die du mich hier aufmerksam machst, kenne ich noch nicht.

  8. bellarmin | Montag, 17. November 2008 22:06
    8

    Hallo mona lisa,
    eigentlich wollte ich dir diskreter, also nicht öffentlich, herzlich zum Geburtstag gratulieren, aber ich finde augenblicklich keinen anderen Weg. Also über mona lisa (ihr Lächeln, mona lisa gleich, macht alle Männer butterweich, Quelle bleibt unbenannt), und damit in einem Medium, in dem ich mich bisher nicht tummle. Jedenfalls die besten Wünsche.
    Und um zu den „Spaziergangsgedichten“ beizutragen, hier ein Vers, der heutzutage nur noch in konservativen akademischen Jagdkreisen zitiert wird, der mir aber trotzdem spontan einfiel, weil ich ihn in meiner frühen Jugend schätzte:

    Höret
    Es gibt nichts Totes auf der Welt,
    hat alles sein´ Verstand,
    es lebt das öde Felsenriff,
    es lebt der dürre Strand.

    Laß deine Augen offen sein,
    geschlossen deinen Mund
    und wandle still, so werden dir
    geheime Dinge kund.

    Dann weißt du, was der Rabe ruft
    und was die Eule singt,
    aus jedes Wesens Stimme dir
    ein lieber Gruß erklingt.

    Hermann Löns

    Alles Gute

  9. mona lisa | Montag, 17. November 2008 23:19
    9

    Danke bellarmin, wer immer du auch bist! für deine lieben Grüße zm Geburtstag. Ich hege aufgrund des Gedichtes einen leisen stillen Verdacht. Aber: geschlossen ist mein Mund, ich wandle und vielleicht werden mir dann geheime Dinge kund, etwa der Absender dieses leisen, lieben Geburtstagsgrußes!

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