Spaziergang
Spaziergang
Rotästige Föhren,
Birken silbern und zier,
Schweigsame Buchen,
Sagt, leidet auch ihr?
Und ihr, atmende Blumen
Im summenden Bienengesang,
Ist denn auch euer Leben
so dunkel und bang?
(Hermann Hesse, März 1909)
Summenden Bienen werde ich wohl heute nicht entdecken, schweigsame Buchen sicher, dazwischen aber auch “schreiende”, denn die Holzfäller sind unterwegs. Ich war gestern erstaunt zu hören, wie laut ein umfallender Baum ist. Luna, meine Hündin, ist richtig zusammengezuckt und hat den Schwanz eingezogen.
Kennt ihr vielleicht weitere Spaziergang-Gedichte? Dann lasst es mich bitte wissen.

Ich geh’ in Hain und Flur
Ich geh’ in Hain und Flur
Nie ohne deine Spur;
Denn immer muß ich denken,
Wohin ich nur mag lenken
Die Augen und den Schritt:
Hier gingest du einst mit.
Und werd’ ich hingelangen,
Wo du nie mitgegangen,
So denk’ ich wieder: hier
Gingst du noch nie mit mir;
O könnt’ ich mit dem neuen
Spaziergang dich erfreuen!
Friedrich Rückert
Mit liebem Gruss
Brigitte
Und gleich noch eines:
Mein täglicher Spaziergang
Nur ein paar Birken, Einsamkeit und Leere,
Ein Sumpf, geheimnisvoll, ein Fleckchen Heide,
Der Kiebitz gibt mir im April die Ehre,
Im Winter Raben, Rauch und Reifgeschmeide,
Und niemals Menschen, keine Grande Misère,
Nichts, nichts von unserm ewigen Seelenleide.
Ich bin allein. Was einzig ich begehre?
Grast ihr für euch, und mir laßt meine Weide.
Detlef von Liliencron
Herzlichen Dank! Vor allem das von Rückert spricht mich in meiner momentanen Situation an.
Ja, das kann ich mir denken. Hoffentlich macht es dich nicht allzu traurig. (Sonst täte es mir leid, es geschickt zu haben…)
Nein, mach dir keine Sorgen!
Oh, es gibt noch einige.
Zum beispiel von Kästner:
nächtliches Rezept für Städter
nasser November
oder auch Ringelnatz:
Bist du schon auf der Sonne gewesen?
Bist du schon auf der Sonne gewesen?
Nein? – Dann brich dir aus einem Besen
Ein kleines Stück Spazierstock heraus
Und schleiche dich heimlich aus dem Haus
Und wandere langsam in aller Ruh
Immer direkt auf die Sonne zu.
So lange, bis es ganz dunkel geworden.
Dann öffne leise dein Taschenmesser,
Damit dich keine Mörder ermorden.
Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,
Dann ist es fürs erstemal schon besser,
Daß du dich wieder nach Hause schleichst.
Joachim Ringelnatz
Gruss, Tine
Danke Tine, die Gedichte auf die du mich hier aufmerksam machst, kenne ich noch nicht.
Hallo mona lisa,
eigentlich wollte ich dir diskreter, also nicht öffentlich, herzlich zum Geburtstag gratulieren, aber ich finde augenblicklich keinen anderen Weg. Also über mona lisa (ihr Lächeln, mona lisa gleich, macht alle Männer butterweich, Quelle bleibt unbenannt), und damit in einem Medium, in dem ich mich bisher nicht tummle. Jedenfalls die besten Wünsche.
Und um zu den “Spaziergangsgedichten” beizutragen, hier ein Vers, der heutzutage nur noch in konservativen akademischen Jagdkreisen zitiert wird, der mir aber trotzdem spontan einfiel, weil ich ihn in meiner frühen Jugend schätzte:
Höret
Es gibt nichts Totes auf der Welt,
hat alles sein´ Verstand,
es lebt das öde Felsenriff,
es lebt der dürre Strand.
Laß deine Augen offen sein,
geschlossen deinen Mund
und wandle still, so werden dir
geheime Dinge kund.
Dann weißt du, was der Rabe ruft
und was die Eule singt,
aus jedes Wesens Stimme dir
ein lieber Gruß erklingt.
Hermann Löns
Alles Gute
Danke bellarmin, wer immer du auch bist! für deine lieben Grüße zm Geburtstag. Ich hege aufgrund des Gedichtes einen leisen stillen Verdacht. Aber: geschlossen ist mein Mund, ich wandle und vielleicht werden mir dann geheime Dinge kund, etwa der Absender dieses leisen, lieben Geburtstagsgrußes!