Meine Neugier

Zufall oder nicht? In meinem letzten Eintrag habe ich über meine Neugier geschrieben. Jetzt habe ich den Gedichtband „Überallnie“ von Marie Luise Kaschnitz durchgeblättert und mich hier und da festgelesen.  In dem Gedicht „Requiem“ gedenkt sie ihres verstorbenen Ehemannes und – es geht kaum anders- setzt sich mit der Grausamkeit des Todes auseinander:

„Mit dem Tod muß ich umgehn
Dem schwarzen Hengst,
Der sprengt mit der Schulter
Die sicheren Wände,
Der zerstampft mit dem Huf
Die geglätteten Dielen.

Sie hält ihre Verwundbarkeit als Hinterbliebene fest:

Und Trost ist nicht, da du mein Trost gewesen
Und Rat ist nicht, da du mein Rat gewesen
Und Schutz ist nicht, da du mein Schutz gewesen
Und Liebe nicht, da ich um deinetwillen
Die Welt geliebt.

Und doch ist einige Gedichte später wieder von Neugier die Rede:

Meine Neugier
Meine Neugier, die ausgewanderte, ist zurückgekehrt.
Mit blanken Augen spaziert sie wieder
Auf der Seite des Lebens.
Salve, sagt sie,…

Und das gibt Mut und Hoffnung, dass die „Spottdrosselstimme“ Recht behält, wenn sie sagt:
„Was willst du, du lebst.“

Ja, ich lebe, meine Neugier ist nicht klein zu kriegen, auch meine Leselust nicht. Und das Suchen nach Antworten geht weiter. Ich selbst glaube übrigens nicht, dass die Liebe weg ist, schmerzhaft ist dennoch, dass das geliebte Gegenüber nicht mehr da ist, dem die Liebe galt.

Marie Luise Kaschnitz, Überallnie, Ausgewählte Gedichte 1928-1965, München 2. Aufl. 1995, 289 S. mit einem Nachwort von Karl Krolow, ISBN 3-423-12015-0

Datum: 26. Dezember 2008
Themengebiet: Aufgelesen, Denk-Würdiges, Gedichte, Merk-Würdiges, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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