Helen Garner, Das Zimmer

Liebevoll richtet Helen ihr Schlafzimmer für ihre Freundin Nicola her, die an Krebs erkrankt ist und in Helens Heimatstadt eine alternative Krebstherapie mitmachen will. Sie freut sich auf den Besuch ihrer Freundin, merkt aber sehr schnell, dass und wie sehr sie mit dem Besuch überfordert ist. Die Überforderung besteht nicht in der Arbeit, dem vielen Wäsche waschen, der Pflege der Freundin, sondern in der eigenen Hilflosigkeit gegenüber der Wundergläubigkeit der Freundin, deren Behandlung Helen für Scharlatanerie hält und die Nicola davon abhält, sich der Tatsache zu stellen, dass sie in absehbarer Zeit sterben wird. Das ständige Strahlen und Lächeln der Freundin, hinter dem sich Nicola versteckt, macht Helen rasend vor Wut und Zorn, über deren Ausmaß sie selbst verwundert ist. “Wir finden dich nicht mehr… Du fehlst uns. … Wir möchten auf dich aufpassen. Du bist uns so wichtig. Aber du reißt dich dauernd zusammen. Du hälst uns fern. Wir kommen nicht an dich ran. Du wehrst uns ab. Und du schaffst es, dass wir uns blöd vorkommen, wenn wir Angst kriegen.”
Die Situaion führt alle Beteiligten an ihre Grenzen. Eine weitere Freundin Nicolas hat folgende Theorie: “Da ist viel Entsetzliches im Spiel, und Nicola weigert sich, das zuzulassen. Aber es wird auch nicht einfach verschwinden. Kann es gar nicht, weil es eben da ist. Also muss es sozusagen jemand anderer für sie ausleben. Es durchtränkt förmlich die Luft, die sie umgibt. Als würde sie die statisch aufladen. Ich habe es sofort gespürt , als sie heute Abend hereinkam. Es war, als hätte ich plötzlich Fieber.”
Der Roman beschreibt eine für alle Betroffenen nahezu unerträgliche Situation, die aber trotzdem ertragen wird, mit Zorn, Wut, aber auch mit Humor und Fröhlichkeit, die dann wieder möglich ist, als Helen sich ihre eigene Hilflosigkeit eingesteht und Nicola damit konfrontiert. Erst dann ist Veränderung, ein anderer Umgang miteinander, möglich. Ein Buch das nachdenklich macht. Dennoch kein düsteres.

Helen Garner, Das Zimmer, Roman, Aus dem Englischen von Nora Matocza und Gerhard Falkner, Berlin 2009, 174 S., ISBN 978-3-8270+0833-6

Datum: 25. Januar 2009
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2 Kommentare

  1. 1

    […] und Getrippel und Gepaare. Eine Verschwendung von Raum und Energie.” (aus: Helen Garner, Das Zimmer, S. […]

  2. Wildgans | Donnerstag, 9. Juli 2009 8:54
    2

    was für eine passende, konkrete, inhaltsintensive buchbeschreibung!!
    gruß von sonia

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