Wozu gibt es Meerschweinchen?

Die Freundin meines Sohnes hat ein Meerschweinchen geschenkt bekommen. Es ist Sokrates und wurde mit der Zeit immer runder. Die Freundin glaubte, Sokrates zuviel zu fressen gegeben zu haben. Mein Mann hatte es sich auf die Brust gesetzt, streichelte es liebevoll ( er war ein Tiernarr) und sagte auf einmal: Dein Meerschweinchen ist eine Xanthippe und trächtig. Ungläubiges Staunen, Nachschlagen, wie lange Meerschweinchen trächtig sind und die Beruhigung: Kann nicht sein.
Konnte aber doch, eines Morgens waren die Kleinen da – zum Entsetzten meines Sohnes, der die Meerschweinchen nur wegen seiner Freundin akzeptiert. Inzwischen lebt Sokrates in Beleitung von Princessa – definitiv ein Weibchen, so dass Nachwuchs ausgeschlossen ist. Folgende Textstelle ließ in mir die Erinnerung an Frötzeleien meines Sohnes wieder aufleben:
“Wozu gab es Meerschweinchen? Das waren doch nur Klumpen mit Fell außen herum. In Peru wurden sie gegrillt und verzehrt, aber hier sahen sie prähistorisch aus, von der Evolution fallen gelassen und sinnlos umtriebig; mit diesem ganzen schwachsinnigen Geknabber und Gekaue und Getrippel und Gepaare. Eine Verschwendung von Raum und Energie.” (aus: Helen Garner, Das Zimmer, S. 116)

Datum: 27. Januar 2009
Themengebiet: Alltägliches, Aufgelesen, Rezensionen, Zitate Trackback: Trackback-URL
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