Wolf Haas, Der Knochenmann

Kopf gefunden, der einen in Erstaunen setzt! Oder sollte man besser sagen : Entsetzten auslöst, denn der Kopf befindet sich in einem Ballsack, den der Zeugwart auf den Fußballplatz trägt und sich wundert, dass keiner ein Wort sagt und erst nach einer längeren Pause einige Spieler schreien: der  Sack!!!
In diesem Krimi von Wolf Haas tauchen menschliche Knochen in einem Berg von Hähnchenknochen auf, die massenhaft im Keller der Grillstation Löschenkohl  auf ihre Umwandlung in Knochenmehl warten. Die Wirtin der Grillstaion hat Brenner wegen eines Verdachts um Hilfe gerufen, ist aber bei seinem Eintreffen in der Grillstation verschwunden und bleibt verschwunden. Weitere Menschen sind auf einmal weg, der Leser weiß lange nicht, ob sie unter den Knochen im Keller gefunden werden oder nicht.
Die eigentliche Handlung dieses Krimis ist eher dürftig, man erfährt mehr über die (z.T. unübersichtliche) Personenkonstellation und die Schicksale der einzelnen Typen als dass wirklich etwas passiert. Dennoch ist der Krimi lesenswert für all diejenigen, die Spaß an Ironie, grotesker sprachlicher Darstellung haben, die darüber staunen können, dass, obwohl die Österreicher ja Deutsch sprechen, ihr Deutsch – zumindest das des sehr im Vordergrund stehenden Erzählers – dann doch so anders ist. Ich habe mich über Metaphern kringelig gelacht.
Die mir vorliegende Ausgabe des Romans ist das Buch zum Film mit Bildern der Darsteller. Ich habe gleich gemerkt, die reichen an die Besetzung in meinem Kopf nicht heran. Gleichwohl wäre das eine Verfilmung, die ich mir ansehen würde, weil mich interessiert, was Wolfgang Murnauer als Regisseur aus dieser Vorlage gemacht hat. Ich kann mir bei der Handlungsarmut kaum vorstellen, wie man damit anderthalb Stunden füllen kann, wie die ununterbrochenen Kommentare des Erzählers – die für mich den Charme des Krimis ausmachen – umgesetzt werden.

Wolf Haas, Der Knochenmann, Das Buch zum Film, Reinbek 2009, 157 S., ISBN 978 3 499 25237 2

Datum: 10. März 2009
Themengebiet: Rezensionen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

2 Kommentare

  1. 1

    […] heißt das “Tuwort” zu Specht? Bei der Lektüre von Haas “Der Knochenmann” habe ich nicht gewusst, dass es ein solches überhaupt gibt. Ein Blick in den Duden […]

  2. 2

    […] wurden. Aber auch das Wort habe ich schon Jahre nicht mehr gehört. Beim Lesen von “Der Knochenmann” bin wieder drüber gestolpert. Dort liefert der Erzähler dann auch gleich den Grund […]

Kommentar abgeben