Julia Franck, Die Mittagsfrau

Der Roman hat einen furiosen Beginn: Aus der Perspektive des kleinen Peter erlebt der Leser die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, denen Peter hilflos ausgliefert ist, da seine Mutter Helene als Krankenschwester oft Nachtdienst hat und er niemanden kennt, an den er sich in diesen schrecklichen Nächten anlehnen kann. Sogar der mehrfachen Vergewaltigung der Mutter durch Soldaten muss er zusehen und kann nicht helfen. Um so mehr freut er sich, dass sie gemeinsam Berlin mit dem Zug verlassen wollen. Doch dann lässt die Mutter ihn allein auf dem Bahnsteig zurück.
Warum? Was hat sie dazu bewogen? Diese Frage lässt sich nicht unterdrücken!
In der Rückblende erzählt der Roman das ungewöhnliche, sehr selbstbestimmte Leben Helenes, das zunehmend schwieriger wird in einer Zeit, in der Außergewöhnlichkeit, Individualität vor allem nicht “reinrassiger” Frauen nicht nur nicht gefragt sind, sondern verfolgt werden.
Ein lesenswerter Roman, allerding mit argen Längen, die ich in Kauf genommen habe, um die Frage nach dem “Warum?” beantwortet zu bekommen. Genau das aber ist nicht der Fall.

Julia Franck, Die Mittagsfrau, 2. Auflage Frankfurt 2009, 430 S., ISBN 978-3-596-17552-9

Datum: 12. September 2009
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