Henning Mankell, Die italienischen Schuhe

Den Roman Mankells als einen „Roman von existentieller Wucht“ zu bezeichnen, wie man auf der Rückseite des Einbandes lesen kann, halte ich für ziemlich übertrieben. Es ist ein gut lesbarer, unterhaltsamer, auch nachdenklich machender Roman, vordergründig über einen Chirurgen, dem ein unverzeihlicher Fehler passiert ist, und der sich danach auf eine einsame Insel zurückzieht und mit Menschen nichts mehr zu tun haben will.
„IMMER WENN es kalt ist, fühle ich mich einsamer.“
Doch dann steht auf einmal seine Jugendliebe Harriet vor ihm – todkrank – und sein Leben wendet sich – mit langsamen Schritten um hundertachtzig Grad, trotzt seines anfänglichen Sträubens. „Man nähert sich anderen Menschen am besten mit langsamen Schritten. … Geht man zu schnell vor, kann man auf Grund geraten.“ Er gerät nicht auf Grund, sondern wendet sich einem Leben zu, in dem auch andere Menschen wieder ihren Platz haben.
Insgesamt ist es ein Roman, der sich mit Grundfragen menschlicher Existenz beschäftigt: Themen wie Liebe und Verantwortung, Umgang mit menschlichem Versagen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen, Integration von Außenseitern jeweder Couleur.
Henning Mankell, Die italienischen Schuhe, Aus dem Schwedischen von Verena Reichel, München 3. Aufl. 2009, 365 S. , ISBN 978-3-423-21152-9

Datum: 29. Oktober 2009
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2 Kommentare

  1. 1

    […] Krimis von Henning Mankell kann ich nur zur Hand nehmen, wenn ich wirklich Zeit habe zu lesen bzw. es verantworten kann, mir diese Zeit zu nehmen, also am besten in den Ferien. Das Wetter war überwiegend schlecht, kein Problem also anzufangen, da man sonst nicht viel, um nicht zu sagen nichts verpassen konnte. Der Krimi beginnt mit einem Prolog, in dem der Leser von der Flucht eines Menschen erfährt, der durch die Wahnsinnstat eines Menschen, dem er vertraut hat, alles verloren hat, was ihm lieb gewesen ist. Die eigentliche Handlung beginnt mit einer Tat, bei der ich mich frage, wieso tun Menschen so etwas: “Er stand auf, griff mit jeder Hand eine Sprayflasche und besprühte jeden einzelnen Vogel mit Benzin und bevor sie fortflattern konnten, hatt er eine der Flaschen fallen gelassen und die andere angezündet. Das brennendende Benzin setzte sofort die Flügel der Schwäne in Brand. Flatternden Feuerbällen gleich versuchten sie, ihrer Qual zu entkommen. … Er war zufrieden. Alles war gutgegangen. Der Abend war so verlaufen, wie es beabsichtigt war, ein tastender Anfang.” Hier setzt die Arbeit Kurt Wallanders ein, der dieses Mal mit seiner Tochter ermittelt, was nicht ohne Querelen vonstatten geht. Weitere Tiere und Menschen müssen ihr Leben lassen – wirklich nachvollziehen kann ich die (z.T. religiös motivierten) Motive nicht. Der Krimi bietet trotzdem Spannung pur, zumal Wallanders Tochter in den Fall involviert wird und in Gefahr gerät. Knapp einen Tag habe ich zum Lesen gebraucht. […]

  2. 2

    […] Gummistiefel“ ist nun definitiv Henning Mankells letzter Roman und knüpft an „Die italienischen Schuhe“ an, setzt die Kenntnis dieses Romans aber nicht […]

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