Ausmisten

Ausmisten – Befreiung oder Belastung?

Ab und zu ist “Ausmisten“  Wohltat, Befreiung, Schaffung von neuem Raum, bzw. Raum für etwas Neues. Manchmal ist es allerdings sehr schmerzhaft,  wenn nämlich mit dem “Ausmisten” Gegenstände entsorgt werden müssen, die Erinnerungen pur gespeichert haben. Dann springt die Trauer einen so unvermittelt an, dass man ausgenockt ist. Etwa wenn man ein häßliches braunes Ungetüm von Frottestoff in die Hand nimmt, auf dem man nahezu ein Jahrzehnt den Sommer am Strand verbracht hat und zwar mit dem Menschen, mit dem man alt werden wollte.
Wieder einmal ist Trauerarbeit zu leisten.
Ich habe das Riesenliegehandtuch  in eine Fahrradwerkstatt gebracht, dessen Inhaber gerne mit meinem Mann gefachsimpelt hat. Er wird es als Putzlappen nutzen – eine Funktion, die ausrangierte Handtücher und Bettlaken auch für meinen Mann bekamen. Er achtete immer darauf, einen ausreichenden Vorrat davon zu haben.
Danach ging es mir besser.
Als Andenken an die Bleibe auf der geliebten Insel hängt nun ein Straßenschild am Gartenzaun in meinem Garten, das mein Mann – aus welchen Gründen auch immer – aufbewahrt hat. Der Blick darauf lässt mich strahlen und mich liebevoll dankbar lächeln – jedenfalls meistens.

Datum: 29. Oktober 2009
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2 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 30. Oktober 2009 14:17
    1

    Wie hart muss es sein, Mona Lisa, beim Aufräumen oder bei anderen Tätigkeiten dem ganzen Ausmass des Verlusts und der Trauer plötzlich wieder so schutzlos augeliefert zu sein.

    Es gibt eben Verwundungen, die nie mehr ganz heilen. Aber ich finde, du gehst den Weg sehr tapfer.

    Beste Wünsche und liebe Grüsse
    Brigitte

  2. seelenruhig | Freitag, 30. Oktober 2009 18:13
    2

    Ja, Ausmisten kann sehr schmerzhaft sein.
    Wir haben einen zusammengewürfelten Haushalt – d.h. zwei rel. frisch Getrennte bzw. Geschiedene warfen ihren halben Haushalte zusammen. Da war so vieles doppelt – gar dreifach vorhanden.Ab in Kartons und weg damit in den Keller, hieß damals die Devise.
    Das haben wir alles erst jetzt ausgemistet/-sortiert, weil es voher einfach nicht zumutbar war. Wir haben elf Jahre gewartet. Elf Jahre, in denen viel Gras über Verletzungen wachsen kann. Dinge sich relativieren, an Wichtigkeit verlieren.

    Und es war: gut! befreiend! ent-lastendend…

    Immer noch stehen aber unangerührte Kartons mit Briefen und Fotoalben in unserem Keller. Die müssen wohl noch warten…aber nicht mehr lange!

    Deshalb finde ich es unglaublich früh, wenn du schreibst, dass du jetzt schon solch schmerzenden Dinge angehst. Ich bin ganz sprachlos vor Mitleid? Verwunderung? Mitfühlen…

    und will dir tröstende liebe Gedanken schicken!
    und dir ein schönes Wochenende wünschen!

    lieber Gruß von Ellen

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