Vom “Wir” zum “Ich”

Wir haben lange nach einem für uns passendem Haus gesucht. Klar war, wir wollten in diesem Stadtteil bleiben, in einem Haus, das groß genug für zwei sich liebende und streitende, westfälische Dickschädel ist. Ich wollte immer  in einem weißes Haus wohnen.
“Da muss man ständig streichen, was mit Arbeit und Kosten verbunden ist”. Für meinen Mann kamen nur Klinker als Fassade in Frage – nahezu ohne Folgekosten.
Nach einiger Zeit fanden wir ein passendes Haus, groß genug für zwei westfälische Dickschädel und:
mit weißen Klinkern, aber zu teuer!
Warten senkt den Preis – immer mit dem Risiko verbunden, dass einem andere zuvorkommen. Kam aber keiner!
Umbau planen. Küche bestellt.
Mitten in der Nacht wache ich auf, die geplante Küche kam mir wie ein Gefängnis vor. Ich wollte in den Garten sehen können, wenn die Küche schon keinen Ausgang zum Garten hat – davon habe ich immer geträumt. Habe meinen Mann geweckt und ihm erzählt, dass ich in den Garten sehen will.
“Geht nicht, die Küche ist schon bestellt!”
War aber nur die erste Reaktion. Als westfälische Dichschädelin habe ich ihm die Vor- und Nachteile dargelegt, ihn dazu gebracht, mit mir am nächsten Tag zur “Küchenfrau” zu gehen und mit ihr meine Idee durchzugehen. Sie war sofort davon angetan und sagte: “Darauf hätte ich selbst kommen können.” Zu zweit haben wir dann meinen Mann überzeugt, was relativ einfach war, weil sein Hauptargument, die Arbeitsfläche werde weniger, widerlegt werden konnte. Auf diese Art und Weise haben wir dann unser gesamtes Haus gestaltet.
Und nun ist es mein Haus.
Froh bin ich, dass ich bei der Planung so aktiv war und im Rahmen des Möglichen meine Interessen umgesetzt habe. Denn jetzt ist es mein Haus und dennoch immer noch unser Haus.
Der Übergang vom “Wir” zum “Ich” vom “unser” zu “mein” ist mit vielen Brüchen, mit Chaos, Unordnung, Missklängen, mit Versuchen, mit Ausprobieren, Verwerfungen und Glücksgriffen verbunden – jedenfalls bei mir.
Veränderungen sind nur nach und nach möglich, der Rhythmus ist mir noch nicht gänzlich klar.
Denn erst ist da ein Festhalten: alles soll so bleiben. Da aber alles dann doch irgendwie anders ist, sind Veränderungen unausweichlich – und die erfolgen immer mehr nach meinem – mir immer noch nicht ganz transparenten – Rhythmus. Nach und nach gucken Lebensfreude, -lust, Kreativität, Neugier um die Ecke – jedenfalls ab  und an und immer mal wieder – und laden mich ein, darauf zu achten, was das Leben für mich noch bereithält.
Dass hilft dann mit den immer noch tiefen Einbrüchen klar zu kommen, nicht wieder völlig abzustürzen.

Datum: 31. Oktober 2009
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4 Kommentare

  1. Wildgans | Samstag, 31. Oktober 2009 15:57
    1

    für mich ist es, wenn ich aus tiefer trauer auftauche, immer ein wenig wie unerlaubt: darf ich überhaupt noch lachen, mich an etwas freuen, dinge genießen…
    da muss man durch.
    wird bei dir ähnlich sein- und du wirst es schaffen, nach und nach!
    was du über das haus schreibst, hört sich wunderbar an. so einen ort der geborgenheit hat nicht jeder und du darfst es mit leben und wärme und weitermachen füllen. wie gut!
    gruß von sonia

  2. Quer | Sonntag, 1. November 2009 8:53
    2

    “Wer jetzt kein Haus baut…” Wie gut, dass du eines hast, Mona Lisa!

    Liebe Grüsse zum Novemberanfang,
    Brigitte

  3. Donna | Sonntag, 1. November 2009 9:38
    3

    Das Leben hält so viel für dich bereit.Und weil du so ab und an um die Ecke schaust, wirst du es nach und nach erkennen und auch zugreifen…

    Sonntagsgrüße von Donna

  4. mona lisa | Sonntag, 1. November 2009 18:04
    4

    Danke für eure lieben Kommentare.

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