Fremdheit und Alkohol

„Ich wende mich dem Panik-Berater zu, der mit Herrn Mannschott, dem Alkohol-Sekretär der Turbinenfabrik Schnellinger, über Fremdheit und Alkohol redet. Mannschott behauptet, die Leute trinken so lang, bis sie sich als Fremde fühlen. Nein, sagt Dr. Ostwald, die Leute fühlen sich vorher fremd, sie trinken so lange, bis sie sich als Fremde endlich bekannt vorkommen. Nein, sagt der Alkohol-Sekretär, die Fremdheit ist in jedem Falle resistent, die Leute trinken, damit ihnen die Empörung gegen die Fremdheit geläufig wird. Niemand kann sich daran gewöhnen, daß Empörung etwas Natürliches sein soll. Natürlich wäre nur ein nichtempörtes Leben, verstehen Sie?“

(aus: Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit, Wien 2005, S. 171)

Datum: 5. Dezember 2009
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2 Kommentare

  1. Sofasophia | Sonntag, 6. Dezember 2009 9:35
    1

    spannender ansatz! danke für diesen zu anfang ein bisschen befremdlichen ansatz!

    lg, d.

  2. Quer | Sonntag, 6. Dezember 2009 10:48
    2

    Mir gefallen sie sehr, die gedanklichen Ränke Genazinos!

    Liebe Grüsse
    Brigitte

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