Bruder Johannes

Obwohl ich zur katholischen Amtskirche ein distanziertes Verhältnis habe, habe ich doch Zeit meines Lebens zu verschiedenen Geistlichen ein gutes, oft freundschaftliches Verhältnis gehabt.
Daran musste ich heute denken, denn der Pater, der mir langjähriger Lebensbegleiter gewesen ist, hätte heute Geburtstag gehabt, so wie Mozart. Passend, denn Bruder Johannes war begeisterter und begeisternder Musiklehrer, Leiter verschiedener Chöre, insgesamt ein lebensfroher Mensch mit einer Vorliebe für (schöne) Frauen. Das hat mich, als ich ihn als Sechszehnjährige kennengelernt habe, ein wenig irritiert, da ich ihn aber immer mit meinem Freund besucht habe, hat es mich nicht weiter gestört.
Der Freund und ich haben uns getrennt, die Freundschaft zum Pater blieb. Ich habe geheiratet, drei Kinder bekommen und war ziemlich unglücklich in meiner Ehe, der Pater blieb mir als Vertrauter und Lebensberater.
Ich habe mich scheiden lassen und später ein zweites Mal geheiratet. Leider hat der Pater dies nicht mehr erlebt. Schade, er hätte sich mit mir gefreut. Denn er hat meinen zweiten Mann zumindest noch kennengelernt. Die beiden mochten sich auf Anhieb. Vielleicht sind sie sich “dort oben” begegnet und werfen ab und zu einen beschützenden, wohlwollenden Blick auf mich und unterstützen mich darin, mein eigenes Leben zu führen, getreu dem Motto Peter Roseneggers: “Das Dasein ist köstlich – man muß nur den Mut haben, sein eigenes Leben zu führen.”, gedruckt auf einer Karte, die ich irgendwann vor grauen Zeiten von “meinem” Pater bekommen habe, mit dem Kommentar:
“Dein Dasein wird allmählich köstlich!!! Weiter so!” -
Er ist auch der einzige gewesen, der mir regelmäßig zum Valentinstag eine Karte geschickt hat. Wie vermisse ich ihn, seine Briefe, seine wohlmeinenden Ratschläge.
Doch eins ist mir geblieben: Sein Lachen. Es klingt mir immer wieder mal im Ohr und ermahnt mich, auf den Reichtum des Lebens zu achten.
Ich danke dir Johannes!

Datum: 27. Januar 2010
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2 Kommentare

  1. Wildgans | Donnerstag, 28. Januar 2010 20:35
    1

    oh, du beschreibst ihn wie einen strahlenden stern- oder einen hüter deiner inneren geborgenheit. gut, ihn gekannt, gehabt zu haben…

  2. mona lisa | Donnerstag, 28. Januar 2010 21:57
    2

    Ich hätte es nicht besser formulieren können. Er war mir wirklich Lebens-Begleiter.

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