Gott als Brett vor dem Kopf

Gestern habe ich es endlich geschafft, einmal Eugen Drewermann zu hören, der jedes Jahr Anfang Januar in der wunderschön restaurierten Christuskirche in Recklinghausen einen Vortrag hält. Thema des gestrigen Abends: „Jesus von Nazareth – Bild eines Menschen“. Schon lange habe ich keinen so sprachlich brillanten, poetischen, frei formulierten Vortrag gehört. Eine Sprache mit starker Bild- und Aussagekraft.
Es war ein Vortrag, der mir mit manchen Sätzen aus der Seele gesprochen hat, vor allem dann, wenn Drewermann von patriarchalischen Strukturen spricht, in denen die „Schriftgelehrsamkeit auftritt wie der lebendige Tod“, in denen Menschen „Gott zum Recht haben“ brauchen oder als fertiges Brett vor dem Kopf tragen. Er hat auch von den  Menschen gesprochen, die den Vorstellungen der alten oder modernen Schriftgelehrten nicht entsprechen, die als ver-rückt oder schizophren bezeichnet und ausgegrenzt werden. Einer solch ausgegrenzten Frau hat er einmal gesagt: „Gott wird sich nicht vertan haben, als er dich schuf!“

Dieser Vortragt hat mir seit langer langer Zeit wieder einmal die Sprengkraft gelebter Religiosität und Menschlichkeit vor Augen geführt, die „Gott nicht in der Tinte seiner Theologen ertrinken lässt“ (nach W. Borchert).

Datum: 6. Januar 2010
Themengebiet: Denk-Würdiges, Worte, Zitate Trackback: Trackback-URL
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