Kathrin Gerlof, Alle Zeit

Die hochschwangere Julia trifft im Park auf die hochbetagte Klara, die in diesem Moment ihren Namen nicht mehr weiß. „Geben Sie mir einen Namen, irgend einen, den ich weitersagen und vergessen kann.“ Beide finden sich merk-würdig, fühlen sich dennoch von der anderen angezogen. Julia kommt die alte Frau sogar bekannt vor. Irgendwie, ein bisschen.
Während Julia ihr Kind zur Welt bringt und versucht, in die Mutterrolle zu finden, verliebt sich Klara im Altenheim in einen ebenfalls dementen, aber charmanten Herrn.  Sie haben das Glück, dass nicht beide zur gleichen Zeit ihre Ausfälle haben und so füreinander sorgen und sogar kleinere Ausflüge zum See unternehmen können. Denn Klara will die junge Frau mit den grünen Haaren wiedersehen. Was sie nicht weiß ist, dass Julia ihre Urenkelin ist.
Der Leser erfährt im Verlauf der Handlung, in welchen Verhältnis die beiden Frauen stehen und warum sie sich nicht kennen. Es ist ein Roman über fünf miteinander verwandte Frauen, ihre Schwierigkeiten und Komplikationen in ihrem Leben während des 2. Weltkrieges und danach. Es ist aber kein schwermütig, depressiver Roman, selbst dann nicht, wenn er von den verzweifelten Versuchen Klaras erzählt, ein halbwegs normales Leben zu führen und ihre Liebe entgegen den Gewohnheiten im Altenheim zu leben, in dem man nicht einmal die Türen abschließen kann.

Kathrin Gerlof, Alle Zeit , Roman, Berlin 2009, 229 S. , ISBN 978-3-351-02703-2

Datum: 14. Januar 2010
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2 Kommentare

  1. Wildgans | Freitag, 15. Januar 2010 14:17
    1

    Dieses Buch habe ich so gern gelesen. Es sollte gar nicht enden- und es endete für mich wenig zufrieden stellend. So plötzlich. Auf der anderen Seite ist dann genug Raum für „eigene Enden“…
    Bin gespannt, was meine Schwägerin in Houston dazu meint; der habe ich das Buch empfohlen.
    Gruß von Sonia

  2. mona lisa | Freitag, 15. Januar 2010 23:00
    2

    Ja, das Ende war arg abrupt! Als offenes Ende habe ich es allerdings weniger empfunden.

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