Haruki Murakami, Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Folgende Aufschrift ist der Wunsch Murakamis für seinen Grabstein:

Haruki Murakami
Schriftsteller (und Läufer)
Zumindest ist er nie gegangen.

Nie zu gehen während eines Laufes, ist das Ziel Murakamis, des Langstreckenläufers, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert läuft und mittlerweile an seinen Zeiten merkt, dass er älter wird.
Doch mit dem Laufen aufzuhören, das kommt für ihn (noch) nicht in Frage.
Warum er läuft und was sein Laufen mit der Schriftstellerei zu tun hat, das erfährt man in dem soeben als Taschenbuch erschienenen Laufbuch Murakamis: „Sich selbst bis an seine persönlichen Grenzen zu verausgaben ist die Essenz des Laufens und eine Metapher für das Leben überhaupt (und für mich auch für das Schreiben).“
Wann, wo, wieviel er läuft, was er auf sich nimmt, wenn er an einem 100 Kilometerlauf teilnimmt, ja richtig 100 km!!! erfährt der Leser, der hier eine – für mich jedenfalls – unbekannte Seite Murakamis entdecken kann. Disziplin, Zähigkeit, Erhöhung der Leidens- und Leistungsfähigkeit, das Gleichgewicht zwischen Konzentration und Ausdauer, all das zu finden, zu entwickeln, verleiht ihm Flügel auch für  seinem „normalen“ Alltag, der m. E. keinesfalls normal ist, wenn man – ganz nebenbei mitbekommt – was er sonst noch alles macht: Vorträge halten, Übersetzungen anfertigen, ach ja und Romane schreiben.
Murakami kommt sogar zu dem Ergebnis: „Ich laufe, also bin ich.“
Mich gäb’s dann jedenfalls nicht.  Ich weiß nicht einmal, ob ich Murakami dafür bewundern soll, aber wenn’s ihm auch weiterhin hilft, Romane zu schreiben, möchte ich ihm zurufen: Laufen und schreiben Sie bitte weiter!

Haruki Murakami, Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede, Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, München, April 2010, 165 S., ISBN 978-3-442-73945-5

Datum: 1. Mai 2010
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