Ken Wilber, Mut und Gnade

Dieses Buch erzählt auf der einen Seite die tragisch endende Liebesgeschichte zwischen Ken Wilber und seiner Frau Treya, bei der kurz nach der Hochzeit ein bösartiges Karzinom entdeckt wird. Gleichzeitig ist es eine Einführung in die immerwährende Philosophie der großen Weisheitstraditionen, wobei schon diese Trennung falsch ist, denn Treyas Leben mit dem Krebs ist verbunden mit den Herausforderungen der beiden hinsichtlich ihrer spirituellen Entwicklung. Das Buch enthält verständlich formuliere „Gedanken über die großen Weisheitstraditionen, über Meditation, über die Beziehung zwischen Psychotherapie und Spiritualität, über Gesundheit und Heilung“, so Ken Wilber in seinem Vorwort.
Die Geschichte wird aus der Perspektive der beiden geschildert teilweise in Form von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Ansprachen, Interviews, die gut nachvollziehbar und bewegend die Betroffenheit, Schwierigkeiten, Hoffnungen, Ängste beider deutlich macht und die Probleme und Konflikte, damit umzugehen. Treyas Leben mit dem Krebs hat radikale Veränderungen ihres Denkens, ihres Tuns, ihrer beider Lebensführung und eine noch stärkere spirituelle Durchdringung ihres Alltags zur Folge, die für Treya schließlich dazu führen, „Freundschaft zu schließen mit dem Krebs, mit der Möglichkeit eines frühen und qualvollen Todes, mit ihr selbst, wie sie ist und mit dem Leben, wie es ist“. Immer wieder sieht sie sich vor die Aufgabe gestellt, eine Balance herzustellen zwischen Tun und Annehmen, Loslassen, ohne aufzugeben.
Als Fazit könnte man formulieren: Bewusst mit der Gewissheit des Todes zu leben, bedeutet, ganz in der Gegenwart zu leben, Zukunft Zukunft sein zu lassen und die kostbaren Augenblicke des Lebens zu genießen.
Für mich ein außerordentlich interessantes Buch, denn der Leser wird auf gut nachvollziehbare Art und Wiese in die Gemeinsamkeiten der großen Weisheitstraditonen eingeführt, lernt den Unterschied zwischen Spiritualität und Religiosität, ihre Tiefen- und Oberflächenstrukturen, und eine differenzierte Darstellung des Begriffes „Religion“ kennen und sieht „praktisch“, wie sehr Ken und Treya dennoch darum ringen müssen, ihre Liebe entsprechend ihrer Einsichten unter den gegebenen Bedingungen zu leben.

Ken Wilber, Mut und Gnade, Die Geschichte einer großen Liebe – das Leben und Sterben der Treya Wilber, Frankfurt/M 2. Aufl. 2009, 453 S. u. einem fünfseitigen Literaturverzeichnis, ISBN 978-3-596-18067-7

Datum: 29. Juni 2010
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2 Kommentare

  1. marianne | Mittwoch, 7. Juli 2010 8:58
    1

    ein buch, das mich stark berührt hat. schön, es hier zu finden! es ist schon einige zeit her, dass ich es gelesen habe; ich werde es nach deinen zeilen hier wieder einmal zur hand nehmen.

    danke dafür und liebe grüsse
    marianne

  2. 2

    […] Untertitel macht klar, um was es geht: Tagebuch einer Krebserkrankung. Christoph Schlingensief bezeichnet es als “Dokument einer Erkrankung”. Unmittelbar […]

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