Anne Holt, Der norwegische Gast

Aufgrund eines fürchterlichen Schneesturms entgleist im norwegischen Bergdorf Finse ein Zug. Bis auf den Lokführer überleben alle das Zugunglück und werden in einem nahe gelegenen Hotel einquartiert. Dort müssen sie ausharren, da an Rettung aufgrund des Sturms nicht zu denken ist. In zwei aufeinander folgenden Nächten passiert jeweils ein Mord, so unterschiedlich ausgeführt, dass Hanne Wilhelmsen, ehemalige Kommissarin und seit einem Berufsunfall im Rollstuhl sitzend, zunächst von verschiedenen Tätern ausgeht. Neben ihren Ermittlungs-tätigkeiten gilt ihre Sorge der Frage, wie eine Panik unter den Eingeschlossenen verhindert werden kann, die sich in verschiedene Fraktionen aufgespalten haben und sich gegenseitig beäugen. Die Darstellung der Er-mittlungen ist wenig interessant, die Gruppenprozesse und die Frage nach möglichen Motiven für die Ermordung der beiden Geistlichen schon eher. Der Krimi ist aus Hannes Perspektive erzählt, so dass man als Leser gleich-zeitig ihr Leben mit Behinderung im Rollstuhl erlebt, ihre Bemühungen um Selbständigkeit und der Abwehr von Hilfe, die sie des öfteren als Übergrifflichkeiten erlebt. Der Leser bekommt auch ihre behutsamen Veränderungen mit, die sich seit ihrem Unfall sehr von Menschen zurück-gezogen hat. Hanne beginnt sich hier – unter extremen Bedingungen – langsam zu öffnen, indem sie versucht, Adrians Vertrauen zu erlangen, der mit seinen 15 Jahren als Außenseiter von allen gemieden wird. Und sie denkt darüber nach ob, die Entscheidung sich so zurück-zuziehen, die richtige gewesen ist oder nicht nur ein – vielleicht vorübergehender “Wartemodus”, für was auch immer.

Anne Holt, Der norwegische Gast, Kriminalroman, über-setzt von Gabriele Haefs, 318 S. ISBN 978-3-492-25718-3

Datum: 2. November 2010
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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Ein Kommentar

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    […] brechen. Teile seiner selbst abzubrechen.” (Hanne Wilhelmsen in Anne Holts Kriminalroman, Der norwegische Gast S. […]

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