Adressbüchlein

Im Oktober habe ich mir ein neues Adressbuch gekauft.
Dann kam der Bruch des rechten Arms – Pause.
Jetzt könnte ich wieder „schön schreiben“ – dennoch zögere ich. Wen nehme ich in meinem neuen Adress-büchlein auf? Wer bleibt im alten – die ich nie wegwerfe – für alle Fälle?
Für welche Fälle?
Dass alte – auf Eis ruhende – Freundschaften wieder auftauen?
Dass Einbahnstraßen in beide Richtungen sich öffnen?
Manchmal stellt sich mir die Frage auch nicht, dann nämlich, wenn Post nicht mehr zugestellt werden, am anderen Ende niemand mehr den Hörer abnehmen kann.
– Totenstille –
Adressbüchlein sind Blick in die Vergangenheit, mit oder ohne Zukunft, auf jeden Fall: Teil meines Lebens.
Anderen scheint es ähnlich zu gehen: „Begriffen, warum J. sein Adressbüchlein seit Jahrzehnten in Ehren hält: das Geflecht seines Lebens über die Erde. Ich war schon dabei, meines vertrocknen zu lassen.“ (aus: Marga-rete Hannsmann, Tagebuch meines Alterns, München 1991, S. 16)

Datum: 15. März 2011
Themengebiet: Allgemein, Denk-Würdiges Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

Ein Kommentar

  1. Quer | Mittwoch, 16. März 2011 6:53
    1

    Ein wundervoller Post, der nachdenklich stimmt!

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

Kommentar abgeben