Natalia Ginzburg, So ist es gewesen

Dieser Kurzroman erzählt die Geschichte der Ehe von Francesca und Alberto, die mit dem Ende beginnt: “Ich habe zu ihm gesagt: ‘Sag mir die Wahrheit’ und er hat gesagt: ‘Welche Wahrheit?’ und zeichnete rasch etwas in sein Notizbuch … Ich habe ihm in die Augen geschossen.”
Danach verlässt Francesca das Haus, geht spazieren und will sich anschließend stellen. Doch dann kehrt sie nach Hause zurück. “Es herrschte große Stille, und ich bemühte mich, ihr nicht zuzuhören.” Und sie schreibt die Geschichte ihrer Beziehung und späteren Ehe in ihr Haushaltsbuch, weil ihr klar geworden ist, dass sie mit niemandem mehr sprechen würde. “Mit niemandem.”
Sie schreibt in einfachen, knappen Sätzen, Sätze die sich wiederholen, weil ihr refrainartig Gedanken und Vorstellungen durch den Kopf gehen, etwa wenn sie darüber nachdenkt, was es für sie bedeutet, ver-heiratet zu sein: “Dann hätte ich zu jeder Stunde, in jeder Minute wissen können, wo er war und war er tat.” Doch genau das tritt nicht ein, Alberto hat eine Geliebte, die er regelmäßig trifft und mit der er regelmäßig verreist. Francesca kommt dahinter: “Da habe ich gedacht, daß unsere Ehe eine Katastrophe war. .. Und mir wurde klar, daß ich mich in dem Haus wie ein Gast fühlte.” Dass die Ehe – zumindest aus heutiger Sicht – schon vorher eine Katastrophe ist, weil keiner sich auf den anderen bezieht, jeder nur mit seinen eigenen Vorstellungen von Leben, Liebe und Ehe zu tun hat, das blendet sie aus. “Ich dachte, wie arm mein Leben doch war, aber ich dachte, daß es unterdessen zu spät war, um zu versuchen, etwas zu ändern, und am Grunde aller Gedanken fand ich immer den Revolver.” – Die Auf-Lösung ihrer Ehe.

Natalia Ginzburg, So ist es gewesen, Roman. Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Berlin 1992, 93 S. ISBN 3 8031 0183 2

Datum: 29. März 2011
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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