Tiziano Terzani, Noch eine Runde auf dem Karussell

” ‘Signor Terzani, Sie haben Krebs!’ ”
“Obwohl man weiß, wie vielen Menschen es passiert, denkt man nie, dass es einen auch selbst treffen könnte. So sah auch meine Einstellung immer aus. Daher war ich, als es mich dann traf, so wenig darauf vorbereitet, wie es jeder andere auch gewesen wäre.”
So beginnt Terzanis Buch “Vom Leben und Sterben”. Er lässt sich zunächst konventionell von Ärzten in New York behandeln, zieht sich währenddessen ganz zurück und hält nur noch zu wenigen Menschen Kontakt. Nach dem vorläufigen Ende seiner Behandlung in New York, macht er sich auf zu einer langen Reise – unterbrochen durch Aufenthalte in der New Yorker Klinik – die ihn  u.a. nach Indien, Thailand, Hongkong und zuletzt in den Himala-ja führt. Ziel dieser Reise ist es zunächst, alternative Heilmethoden und Behandler zu finden, die ihm helfen, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Immer wieder reflektiert er das scheinbar oder tatsächlich Unerklärliche, versucht sich auf anderen Zugehensweisen einzulassen, merkt seine Skepsis, die ihm im Weg steht, die er aber auch nicht ablegen kann, um das “Potential des Unbewussten” für die Heilung zu entfalten. Drei Monate hält er sich in einem Ashram auf, hört die Poesie der Worte des Swamis, doch er spürt sie nicht, sie eröffnen ihm keine neue Sichtweise. Krisen sind die Folge und die Erkenntnis, dass er seine “Prioritäten überdenken, in sich gehen und seinen Blickwinkel, vor allem aber sein Leben verändern müsse, um sich selbst zu verändern”. Im Himalaja findet er äußeren Frieden, um dann zu merken, dass seine Frau Angela, die ihr gewohntes Leben lebt, weit ausgeglichener, gelassener ist als er, der Frieden nur in der Einsamkeit findet. Die Krankheit als Teil seiner selbst akzeptierend ist das letzte Ziel seiner Reise: “zu dem Punkt zu gelangen, wo ich keine Zeit mehr für mich brauche und die, die mir noch bleibt, ausschließlich anderen widmen kann.”
Als ehemaliger Spiegel-Reporter kann Terzani gut schreiben, erzählen zumal er seine Darstellungen und Reflexionen mit vielen Erzählungen, Zitaten alter Meister, Haikus spickt, so dass die immerhin 730 Seiten nicht langweilig werden. Für mich ist es eher ein anregendes Buch über das Leben als über das Sterben, wenn man denn Sterben als Teil des Lebens ansieht.

Tiziano Terzani, Noch eine Runde auf dem Karussell, Vom Leben und Sterben, Aus dem Italienischen von Bruno Genzler, München 2007, 731 S., ISBN 978-3-426-77956-9

Datum: 12. April 2011
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. 1

    […] Über seinen Umgang mit, seine Einstellung zu dieser Krankheit hat er in  ”Noch eine Runde auf dem Karussell” […]

  2. 2

    […] über seine Tätigkeiten als Journalist, aber auch von seiner Reise nach innen in “Noch eine Runde auf dem Karussell“. “Das Ende ist mein Anfang” ist mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt […]

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