Melancholie

MELANCHOLIE

Mein Herz ist wie ein Kind.
Es muß bei Menschen hausen,
Muß Blumen haben und trautes Saitenspiel,
Solange die Sonne scheint.

Aber des Nachts, da muß es mit Grausen
Einsam gehen und ohne Ziel,
Wenn die Stürme wehn und der Regen rinnt
Und alles zittert und weint.

Dann muß ich lauschen, wie die Nacht
Tastend über die Städte fliegt,
Hinter Wolken verzweifelt lacht
Und sich in irren Liedern wiegt,
Und alles, was des Tags so freundlich steht,
In Qual und Krampf und Finsternis vergeht.

(Hermann Hesse)

Datum: 23. November 2011
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3 Kommentare

  1. Wildgans | Mittwoch, 23. November 2011 11:40
    1

    Und deshalb gehe ich nun im Sonnenschein mit dem borstigen Straßenbesen nach den feuchten Blättern tasten und sehen, wie die Nachbarswinzerhöfe so freundlich stehen….

  2. Gabriela | Mittwoch, 23. November 2011 15:44
    2

    Berührt mich grad sehr. Ich liebe aber trotzdem oder gerade deshalb die Nacht. Denn wo sonst kann ich üben zu sterben wenn nicht dort, wo ich mich in Einsamkeit und Grausen entspannen lerne.

    @Wildgans: Wunderschönes Spiel mit Worten. Danke!

    Lieben Gruss aus dickem Nebel.
    Gabriela

  3. mona lisa | Mittwoch, 23. November 2011 23:07
    3

    Ich wünsche euch beiden eine freundliche Nacht!

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