Javier Marias, Die sterblich Verliebten

Die Rezension in der ZEIT hat den Ausschlag gegeben, diesen Roman zu kaufen, bis-her ja nur als Hardcover zu haben. (Wollte ich ja eigentlich nicht mehr). Roter Um-schlag, rotes Lesebändchen, Aussicht auf eine spannende Handlung:

Maria, Verlagsangestellte und Ich-Erzählerin dieses Romans, beobachtet in einem Cafe häufig Luisa und Miguel, ein gut aussehendes Ehepaar, das sich offensichtlich noch nach Jahren liebevoll zugetan und miteinander im Gespräch ist, bis Miguel – völlig unvorhersehbar – vor dem Cafe von einem Unbekannten mit zahlreichen Messerstichen tödlich verwundet wird.

Maria kondoliert Luisa und wird von ihr zu sich nach Hause eingeladen. Dort lernt Maria Días-Valera, einen Freund des Hauses kennen. Sie merkt sehr schnell, dass dieser in Maria verliebt ist und offensichtlich nur darauf wartet, dass diese ihre Trauer überwindet und sich wieder dem Leben und ihm zuwendet. Das hindert Maria und Días-Valeria nicht, eine Affaire zu beginnen, wohl wissend, dass sie keine Zukunft haben werden, auch wenn Maria sich das dann doch vorübergehend wünscht, bis sie erfährt, wer für den Mordanschlag verantwortlich ist .

Was ist Wahrheit, was Lüge, wie weit darf Freundschaft gehen? Diese wichtigen Fragen entstehen im Verlauf der Handlung, die immer wieder unvorhersehbare Wen-dungen nimmt, ohne dass Maria und mit ihr der Leser zum Schluss sicher weiß, ob und warum Miguel sterben musste.

Eine spannende Handlung, die m.E. allerdings durch ellenlange Gedanken und Spekulationen Marias über alle an der Handlung Beteiligten mit der Zeit langweilig wird, weil diese seitenweise Darstellungen im Konjunktiv II zur Folge haben, grammatikalisch sicher passend als Ausdruck von Möglichkeiten, aber auf Dauer lang-weilig, da man nicht direkt Luisas Trauergedanken erlebt, sondern Marias Spekula-tionen über mögliche Gedanken Luisas.

Schade, ich hatte Mühe, den Roman zu Ende zu lesen, hab’s freudlos dann aber doch gemacht, weil ich wissen wollte, wie er ausgeht. Überzeugt hat mich der Roman nicht, würde ihn deshalb auch nicht weiterempfehlen, obschon die Thematik mich interessiert hat. Da tröstet das rote Lesebändchen dann auch nicht mehr.

Javier Marías, Die sterblich Verliebten, Roman, a.d. Spanischen v. Susanne Lange, FFM 2012, 430 S., ISBN 978-3-10-047831-3

Datum: 14. April 2012
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2 Kommentare

  1. Wildgans | Montag, 16. April 2012 7:27
    1

    Gut.Dann “muss” ich das Buch nicht lesen, zumal ich zahlreiche Passagen im Radio von Eva Matthes vorgelesen bekam.
    Gruß von Sonja
    P.S. Habe grad ein neues Buch angefangen. Eine, die sehr einnehmend schreiben kann: Annika Reich:”34 Meter über dem Meer”.

  2. mona lisa | Montag, 16. April 2012 8:11
    2

    Wildgans, was “muss” man schon lesen?!
    Danke für deinen Tipp, die Autorin kenne ich noch nicht.

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