Magdalen Nabb, Tod einer Verrückten

Manchmal sind Mängelexemplare für mich günstige Gelegenheiten, mich auf mir unbekannte (Krimi-) Autoren einzulassen. Magdalen Nabb kannte ich bisher nicht und Guarnaccias sechster Fall ist mein erster Krimi, den ich von ihr gelesen habe.

Der Krimi beginnt relativ ruhig und behäbig wie auch Guarnaccia (fast) nichts aus der Ruhe bringen kann. Der Leser lernt die spätere Tote – von allen die Verrückte genannt – noch zu ihren Lebzeiten kennen. Sie hat offensichtlichen einen Putzfimmel, den sie in der Öffentlichkeit auslebt, indem sie den Platz in ihrem Viertel peinlich rein zu halten versucht, sehr zum Spaß vieler junger Männer, die sie damit ärgern, wenn sie Papierfetzen oder Zigarettenkippen fallen lassen. Clementina, die Verrückte reagiert stets wüst und laut auf dieses Verhalten, denn sie geht mit dem Handfeger, den sie immer bei sich trägt,  auf die Leute los.

Eines Tages ist es still in ihrer Wohnung. Die Nachbarn, die Clementina stets im Auge behalten und sie sogar mit Essen versorgt haben, weil sie arm wie eine Kirchenmaus ist, machen sich Sorgen. Sie brechen die Wohnungstür auf. Ein Nachbar findet sie mit dem Kopf im Ofen. Doch es ist ein als Selbstmord getarnter Mord, das steht sofort fest.

Im Verlauf der Ermittlungen, die sich als nicht einfach herausstellen, denn es ist August in Italien – und was das heißt, erfährt der Commissario nahezu täglich – erhält man Einblicke in das Leben Clementinas, die eigentlich ganz anders heißt. Durch einen fürchterlichen Schicksalsschlag ist sie zu der Verrückten geworden, eigentlich eine ganz “normale” Reaktion auf das, was sie erlebt hat.

Der Krimi ist ruhig erzählt, informativ auch hinsichtlich der Besonderheiten italienischer Lebensverhältnisse – zumindest der in den Neunzigern des letzten Jahrhunderts, denn der Krimi erschien im Original schon 1988. Nichts desto trotz ein lesenswerter Krimi. Ich werde mich jetzt auf die Suche nach den anderen Fällen Guarnaccias machen.

Magdalen Nabb, Tod einer Verrückten, Guarnaccias sechster Fall, a.d. Englischen v. Irene Rumler, Zürich 1997, 316 S., ISBN 978-3-257-22978-3

Datum: 4. April 2012
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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Ein Kommentar

  1. 1

    […] Magdalen Nabbs Krimi “Tod einer Verrückten” bin ich über folgende Frauenbe-schreibung […]

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