Petra Chlosta, Gräber und andere Gartenarbeiten

Sie mögen Quasselstrippen mit einem Hang zu Überreaktionen, die nichts oder selten etwas auf den Punkt bringen, des öfteren den Faden verlieren, was zu zahlreichen Wiederholungen führt, die viel reden, aber wenig zu erzählen haben und das seitenlang breitwalzen?

Dann ist die Kriminalkomödie “Gräber und andere Gartenarbeiten” etwas für Sie. Sie werden von Tina – früher Journalistin – heute mit Rechtsanwalt Stefan verheiratet, die sich bei der Hausarbeit selbst verwirklicht (soll ironisch gemeint sein), immer wieder angesprochen – wohl weil Tina offensichtlich Sorge hat, dass ihr die LeserInnen unterwegs verloren gehen:

“Wenn ich Ihnen verspreche, Ihnen ein Eis auszugeben, zwei Kugeln mit Sahne – gut, ohne – darf ich dann noch ein Minisätzlein loswerden, ohne dass Sie mir das Buch an den Kopf werfen?”

Echte Krimifreunde kommen m.E. nicht auf ihre Kosten, da Tinas “Ermittlungen” hauptsächlich in diversen Spekulationen bestehen, die  weder “Hand noch Fuß” haben. Kommissar Zufall, in Gestalt eines kleinen Nachbarkindes, führt dann zur Lösung eines Falles, der sicher so vorkommen kann, aber Reichweite nur für einen knappen Bericht in der Zeitung hätte.

Die Kriminalkömödie kommt sehr umgangsprachlich daher, Tina schreibt wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Da sie bekennende Quasselstrippe ist (Selbstcharakterisierung wie alle Zuschreibungen des ersten Satzes, s.o.), ist sie also sehr langatmig, obschon um Kürze bemüht: So benutzt Sie z.B. Abkürzungen wie: “Kiga (ich will Kindergarten nicht immer immer aussschreiben)”, um aber erst vier (!) Seiten später diesen Begriff erneut zu benutzen.

Nein: Ich hab’s nicht so mit Quasselstrippen aus Niedersachsen, die (verzweifelt komisch) versuchen, westfälischen Slang oder was sie dafür halten an den Leser zu bringen und dann nichts zu erzählen haben außer Nachbarschaftstratsch an einem Leichenfund im eigenen Garten entlanggehangelt.
Als leichte Unterhaltungskost, als Urlaubslektüre an brütend heißen Stränden – wenn sonst nichts mehr geht – sicher lesbar, nur muss man dies mögen.

Petra Chlosta, Gräber und andere Gartenarbeiten, Eine Kriminalkömödie aus West-falen, Berlin 2012, 126 S., ISBN 978-3-8280-3005-3

Datum: 10. April 2012
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Ein Kommentar

  1. Patrick Müller | Freitag, 29. Juni 2012 15:20
    1

    Sehr geehrte Bloggerin,

    zunächst ist einmal zu sagen, dass wenn Sie die Kurzgeschichte aufmerksam gelesen hätten Ihnen aufgefallen wäre, dass die Autorin zwar in Niedersachsen geboren, doch ihr Leben in Nordrhein-Westfalen verbracht hat. Da Ihnen der Lokalkolorit bei dieser Verwechslung fremd und fitkiv erscheint ist offensichtlich und ich würde Ihnen einen Besuch in Ostwestfalen empfehlen. Dort könnten Sie die Authentizität der sprachlichen Spezifika genauer beobachten. Ich habe das Buch ebenfalls gelesen und stimme mit Ihrer Rezension in Punkten wie der Ihrer Meinung nach gekünstelten Ironie, der Vorhersehbarkeit der Handlung (ich denke man kann mutmaßen, dass der Krimi nicht den Anspruch verfolgt einen Teil der literarischen Hochkultur darzustellen)nicht überein. Vielmehr halte ich Chlostas Kriminalkomödie für ein getreues Abbild der kleinstädtischen Zustände und schätze diesen eher als Persiflage des Kleinbürgerlichen ein. Sie versuchen nur Ihre Arbeit zu machen aber “Quasselstrippen aus Niedersachsen, die (verzweifelt komisch) versuchen, westfälischen Slang oder was sie dafür halten an den Leser zu bringen” kann man so nicht stehen lassen.

    Vielen Dank und schönen Tag,

    Patrick Müller

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