Bernd Riedel, Eine Insel auf Zeit

Einen Lyrikband mit Beipackzettel ist mir auch noch nicht untergekommen.

Bernd Riedel beginnt seinen Lyrikband “für die Sinne” mit einer Einleitung. In Form einer Gebrauchsanweisung oder eines Beipackzettels macht er den Leser darauf aufmerksam, wie das Rezept zum Lachen mit Hilfe des Lyrikbandes eingelöst werden könne und dass der Autor für mögliche “Wein- oder Lachkrämpfe” nicht erschlagen werden solle. Der Leser müsse vor der “Medikamenteneinnahme” das “Kleingedruckte auf der beigefügten, verschreibungpflichtigen Leseverordnung” lesen und sich im Zweifelsfall an den “Arzt oder Apotheker” wenden, der einen aber nur zu Fielmann schicken könne.

Anschließend macht er einen darauf aufmerksam, was alles mit dem Band angestellt werden kann: Man kann ihn u.a. in ein solides Regal stellen, ihn als Blütenpresse, als Regisseursklappe oder als Rattenfalle (für Leseratten) nutzen.

Und dann beginnt das

Festival der guten Laune

Ein Feuerwerk der guten Laune
wird selten nur entfacht,
so wie das Festival der Liebe
erhellt es unsere Nacht.

Und es berührt dann unsere Herzen,
erreicht auch den Verstand –
vergessen sind die schweren Stunden,
ein guter Schluck löscht seinen Brand.

Seine stets gereimte Lyrik beschäftigt sich mit den mannigfachen Dingen des Alltags: mit der Sommernacht, der Eintagsfliege, der Steckdose und Heinz Erhardt …

Es ist ein Band, in dem man sicher fündig wird, wenn man für einen runden Geburtstag etwas Passendes sucht.

Zur Not kann man die Blätter auch als “Hygienepapier” in der Toilette verwenden. Dafür: “Die Seiten bitte einzeln entnehmen, einweichen und nach Bedarf verwerten.” – so einer der Tipps, die der Autor in seiner Einleitung gibt. Ein Band für alle Fälle, also auch für diejenigen,  die Riedels Lyrik nicht wirklich komisch finden.

Bernd Riedel, Eine Insel auf Zeit, Lyrik für die Sinne, Berlin 2012, 176 S., ISBN 978-3-8280-3002-2

Datum: 18. Juni 2012
Themengebiet: Buch-Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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