Claudia Cardinal, Lebe und lerne sterben

Den Begriff der “Sterbeamme” habe ich zum ersten Mal im Radio gehört, gegoogelt und bin dabei auf Claudia Cardinal und ihre Bücher gestoßen. Mein Interesse an diesem Themenkomplex, der mich schon als Jugendliche interessiert hat, war erneut wachgerufen.

“Lebe und lerne sterben” ist das erste Buch, was ich von ihr gelesen habe. In ihm weist Cardinal auf die Notwendigkeit, den Sinn von Sterbeammen und -helfern hin, die ähnlich wie eine Hebamme bei den Geburtsvorbereitungen Unterstützungen beim Sterben und der Vorbereitung auf den Tod leisten sollten.

Mit der Analogie zwischen Geburt und Tod werden die Gedanken und Übungen in diesem Buch eingeleitet. Danach kann man sich im Kapitel “Der Abschied” verdeutlichen, welch vielfältige Möglichkeiten das Leben bereit hält, sich im Verabschieden zu üben. Sie werden im 3. Teil genauer dargestellt und mit Übungsvorschlägen versehen.
Wenn Geburt Übergang  bedeutet, so könnte auch der Tod Übergang sein. Verschiedene Denkmöglichkeiten werden aufgezeigt und dem eigenen Nachdenken anheim gegeben. Abschließend werden Hinweise für das Verfassen eines Testamentes und von Patientenverfügungen gegeben.

Gedacht ist das gut verständlich geschriebene und mit zahlreichen weiterführenden Lese-tipps versehene Buch für Menschen, ” die sich durch Krankheit oder hohes Alter auf ihren Abschied vom Leben vorbereiten müssen, und für Menschen, die ihre eigenen Ängste angesichts der Sterblichkeit angehen wollen.”

Dass es aber nicht nur ums Sterben, sondern auch ums Leben geht, hat mir die Frage verdeutlicht: Was würde ich dem Tod, der an meiner Tür geklingelt hat, sagen können, weshalb er bitte  in 15-20 Jahren noch einmal wiederkommen soll? Ja, was würde ich ihm sagen können?

Wie sähe meine Lebensbilanz bis jetzt aus?
Was kann ich davon wertschätzen?
Was will, möchte ich noch in Ordnung bringen?

Das sind sicher sinnvolle Fragen, die man sich ab und zu vorlegen und beantworten sollte, nicht erst dann wenn der Tod sich tatsächlich angekündigt hat.

Clauda Cardinal, Lebe und lerne sterben, Ein Praxisbuch für Betroffene und Nahestehende, Düsseldorf 2007, 190 S., ISBN 978-3-491-72518-8

Datum: 1. Oktober 2012
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2 Kommentare

  1. Wildgans | Dienstag, 2. Oktober 2012 11:29
    1

    Und wieder fällt mir dazu die Frage meines kleinen Sohnes ein: Mama, war ich vor meiner Geburt tot?
    Übergänge sind Geburt und Tod auf jeden Fall. Was sonst?
    Aggregatzustandsänderungen eher nicht.
    Deine Buchbesprechung trifft auf meine gedankliche Beschäftigung momentan, bzw. immer schon und wieder….
    Grukß von Sonja

  2. mona lisa | Mittwoch, 3. Oktober 2012 8:03
    2

    Ja Wildgans, das ist eine der Fragen, die einen sprachlos machen können!

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