Der Tod in mir

Früher wußte man (oder vielleicht man ahnte es), daß man den Tod in sich hatte wie die Frucht den Kern. Die Kinder hatten einen kleinen in sich und die Erwachsenen einen großen. Die Frauen hatten ihn im Schoß und die Männer in der Brust. Den hatte man, und das gab einem eine eigentümliche Würde und einen stillen Stolz.

(aus: Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

Datum: 22. November 2012
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5 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 23. November 2012 7:07
    1

    Das ist so schön! Ja, die Entfernung oder Entfremdung von diesem inneren Wissen dürfte nie zu gross werden…

    Danke für die Zeilen.
    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  2. manacur | Freitag, 23. November 2012 10:24
    2

    Ja, heute ist das etwas anderes. Laut dem Schamanen Don Juan steht er heutzutage direkt hinter unserer linken Schulter – man brauche sich nur kurz umzuwenden und ihn zu fragen, wie es steht
    LG

  3. Wildgans | Sonntag, 25. November 2012 11:53
    3

    …und neben dem Tod ist bei vielen Menschen eine Art Lebensflamme zu spüren! Neugierig, strahlend, singend, begeistert leuchten ihnen die Augen…das muss auch irgendwo im Innern sein….
    Gruß von Sonja

  4. Funkenflügel | Montag, 26. November 2012 20:32
    4

    Und vielleicht kann diese “Lebensflamme” (was für ein schönes Wort dafür!) nur so intensiv leuchten, weil sie Endlichkeit und Vergänglichkeit spürt. Dieses Bewusstsein macht womöglich den Kern ihrer ganzen Energie, ihrer Bewegung zum Leben hin aus.

    Ganz liebe Grüße, Anne

  5. mona lisa | Montag, 26. November 2012 21:21
    5

    Funkenflügel, genau das ist es wohl!
    Diese Lebensflamme spielt in dem friesischen Märchen “Der gerechte Pate” eine wichtige Rolle http://www.youtube.com/watch?v=qENgO7IUTHM

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