Christine Fivian, Das Bild

“Das Bild” ist Christiane Fivians erster Roman. Er beginnt mit einem Nachruf für den Maler Paul Béguelin in der NZZ, der unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen ist. Er ist offensichtlich alkoholisiert und stoned von der Ringmauer eines französischen Städtchens gefallen und auf den Asphalt geschlagen. Das Ende ist wiederum ein Zeitungsartikel in der NZZ über die “Ausstellung Retrospektive Paul Béguelin”.

Wie es dazu gekommen ist, erschließt sich dem Leser im Verlauf des Romans. Was zu einem Krimi zu werden scheint, wird zu einem Roman über drei Frauen und ihre Lebenssituation mit knapp sechzig Jahren:
Alma, die sich bloß als “eine Buchhändlerin mit Brille sieht, weder gut noch böse, ein blinder Fleck der einfach verschwinden würde”. Sie ist langjährige Partnerin des Malers Paul Béguelins gewesen,
Lisa, die als linke Feministin in schweizerischen Schulen einen schweren Stand hat
und Mona, die Frau von Jean, einem Mann aus gutem Hause “sogar mit einem ‘de’ vor dem Namen, der von ihr nach der Hochzeit und Geburt des ersten Kindes nichts weiter erwartet, als dass “zu Hause alles perfekt funktionierte”.

Alle drei haben eine Zeit lang als Stewardessen gearbeitete und hatten ein Verhältnis mit Paul, dem Maler “Der Göttin”, einem Bild, das bei Alma in der ehemals gemeinsamen Wohnung hängt. Paul hat ihr versprochen, dass das Bild unverkäuflich sei und der jeweils Überlebende bestimmen darf, was mit dem Bild passiert.

Doch Paul, der mittlerweile eine junge Geliebte hat, die vom Alter her seine Tochter sein könnte, fordert “Die Göttin”, eigentlich ein Triptychon, zurück. Es soll in der Galerie der Geliebten in Paris ausgestellt werden. Das ruft die drei Frauen, die sich immer noch in regelmäßigen Abständen treffen, auf den Plan. Sie überlegen, wie sie das verhindern können. Und man ahnt, was kommt.

Der Roman versucht m.E. allzu viele Themen einzuarbeiten: Verschiedene Lebensmodelle von Frauen in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, die Bespitzelung und Ausgrenzung Linksgerichter in der Schweiz, die Rassentrennung in den USA, dann auch noch die Probleme einer lesbischen Liebe, eine Vergewaltigung, die nicht zur Anzeige kommt, weil das Opfer befürchtet, dass man ihm nicht glaubt. Das ist arg viel für einen Roman, der trotz detaillierter Informationen über die drei Frauen den Leser nicht warm werden lässt mit den dargestellten Personen.

Chrisitane Fivian, Das Bild, Roman, Zürich 2013, 154 S., ISBN 978-3-905795-26-4

Datum: 18. Juni 2013
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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