Sommer, o verlaß uns nicht

Will der Sommer wieder scheiden,
Blickt er auf die öden Haiden,
Und da lächeln ihm im Nu
Haideblümchen freundlich zu.
Hell umglänzt vom Strahl der Sonne
Freu’n sie sich der Sommerwonne,
Und ein jedes Blümchen spricht:
Sommer, o verlaß uns nicht!

Doch den Blumen ist hienieden
Ach! Ein Sommer nur beschieden:
Mitten in der Freudenzeit
Trifft sie oft das Winterleid.
Sommer, sieh noch einmal wieder
Von dem blauen Himmel nieder!
Send‘ uns doch dein mildes Licht!
Sommer, o verlaß uns nicht!

Sommer hört’s und käme gerne,
Doch er kann aus weiter Ferne
Einen Scheidegruß allein
Senden seinen Blümelein.
Und die armen Blumen wagen
Kaum die Augen aufzuschlagen,
Rufen, bis ihr Herze bricht:
Sommer, oh verlaß uns nicht!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Datum: 14. August 2013
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4 Kommentare

  1. Sonja | Mittwoch, 14. August 2013 6:33
    1

    Eine kleine, herzensreiche Anbetung!

  2. Quer | Mittwoch, 14. August 2013 9:27
    2

    Sind wir nicht auch Blumen, die die Augen niederschlagen und flehen und hoffen…

    Herzlichen Gruss, Brigitte

  3. rosadora | Freitag, 16. August 2013 9:28
    3

    sommer ohhhh verlass uns nicht
    nun wieder die sorge dass alles schnell vergeht
    die jahreszeiten sind beständig
    sie kommen immer wieder
    hoffentlich

    rosadora

  4. mona lisa | Freitag, 16. August 2013 20:08
    4

    Noch ist es nicht so weit! Und das ist gut so.
    Plauschen unterm Baum im Schatten, draußen grillen, dem offenen Feuer und den Sternen zuschauen, das ist Sommerfeeling pur!

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