Jennifer Teege, AMON Mein Großvater hätte mich erschlagen

Die Lebensgeschichte Jennifer Teeges, die sie gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert und aufgeschrieben hat, ist atemberaubend, berührend und nahezu unfassbar.

Jennifer Teege, eine dunkelhäutige, schlanke, große Frau, erfährt durch Zufall oder soll man es Schicksal nennen, dass sie die Enkelin Amon Göths ist, dessen Namen sie zwar aus dem Film „Schindlers Liste“ kennt, ohne aber auch nur zu ahnen, dass sie mit ihm verwandt ist.

In einer Hamburger Bibliothek trifft sie auf ein Buch, aus dem sie ihre Mutter anblickt, die sie als Kind zur Adoption freigegeben hat: „Die Lebensgeschichte von Monika Göth, Tochter des KZ-Kommandanten aus ‚Schindlers Liste‘ “
Jennifer Teege wird mit dem schrecklichen Geheimnis ihrer Familien konfrontiert und beginnt mit der minutiösen Aufarbeitung, die sie nicht selten in Konflikte und Krisen stürzt, aus denen sie sich immer wieder herausarbeitet und daran wächst.

Sie findet ihren eigenen Weg im Umgang mit ihrer Familiengeschichte. Es ist ein Weg der Versöhnung mit sich selbst, ihrer Familie und darüber hinaus mit Nachfahren von NS-Opfern.

Ein gut lesbares Buch, das verdeutlicht, wie sehr Familiengeheimnisse wirken, gerade weil sie geheimgehalten werden sollen. Ich wünsche diesem Buch viele LeserInnen.

Jennifer Teege, Nikola Sellmair, AMON mein Großvater hätte mich erschossen, 1. Aufl. Hamburg 2013, 271 S., einschließlich der Hinweise zu weiterer Literatur etc., ISBN 978-3-498-06493-8

Datum: 10. Oktober 2013
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

4 Kommentare

  1. Karl | Donnerstag, 10. Oktober 2013 9:32
    1

    Danke mona lisa, dass Du dieses Buch ansprichst. Ich denke, dieses Thema der Versöhnung ist für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration so wichtig. Keiner ist davor sicher, dass er nicht auch in seiner Familie auf ähnliche Verhaltensweisen trifft. Jennifer Teege gilt Dank, Ihren mutigen „Schritt in die Freiheit“ veröffentlicht zu haben.

  2. mona lisa | Donnerstag, 10. Oktober 2013 9:44
    2

    Ja diese Frau ist mutig. Sie macht sich frei, indem sie hinsieht, sich informiert und nicht sofort (ver-)urteilt. So,bleibt sie auch bei ihren Erfahrungen, dass ihre Großmutter mit ihr sehr liebevoll umgegangen ist und ihr ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt hat, und dennoch eine Großmutter war, die verdrängt hat, bis zu ihrem Selbstmord.
    Teege verfällt nicht in dieses verheerende entweder… oder Denken, es gibt ein sowohl… als auch. Und beides ist dann gleich-gültig!!

  3. rosadora | Samstag, 12. Oktober 2013 8:10
    3

    ein interview mit der autorin habe ich dieser tage gesehen
    sehr beeindruckend
    sich mit der familiegeschichte auseinanderzusetzen erfordert mut
    nicht nur wenn sie diese auswüchse angenommen hat
    rosadora

  4. Sonja | Sonntag, 13. Oktober 2013 10:45
    4

    Frappierend fand ich, wie rein zufällig diese mutige, klare Frau das alles entdeckte…Als hätte es so sollen sein…
    Gruß von Sonja

Kommentar abgeben