Friedrich Dürrenmatt, Der Verdacht

Dieser Kriminalroman aus den 80igern des letzten Jahrhunderts ist immer noch lesenswert. Ironisch, sarkastisch, spitzfindig geschrieben, geht es um die Suche nach einem Mörder. Aber es ist nicht irgendein Mörder, sondern Emmenberger, ein Arzt, der im KZ Sutthof Menschen ohne Narkose operiert hat und das mit deren Einverständnis. Dieser Arzt hat nach dem Krieg Selbstmord begangen. Dass steht amtlich fest.

Beim Lesen einer Zeitschrift entsteht in Kommissar Bärlach, der im Krankenhaus wegen seiner Krebserkrankung behandelt wird, der Verdacht, dass der Chefarzt in einem Züricher Sanatorium für Reiche der ehemalige KZ-Arzt ist und nach wie vor operiert.

Diesem Verdacht will er nachgehen, obschon er seit ein paar Tagen pensioniert ist – Grund ist seine Krebserkrankung und die fehlende Aussicht auf Heilung – und offiziell gar nicht mehr ermitteln darf. Er lässt sich von seinem behandelnden Arzt in das Sanatorium „Sonnenstein“ einweisen, um seinen Verdacht zu überprüfen. Schnell merkt der Kommissar, dass er ein Reich betreten hat, in dem seine Vorstellungen von Recht, Gesetz und menschlichem Umgang miteinander keine Gültigkeit besitzen:

„Alles, was Emmenberger in Sutthof tat, in dieser grauen, unübersichtlichen Barackenstadt auf der Ebene von Danzig, das tut er nun auch hier, mitten in der Schweiz, mitten in Zürich, unberührt von der Polizei, von den Gesetzen dieses Landes ja, sogar im Namen der Wissensschaft und der Menschlichkeit; unbeirrbar gibt er, was die Menschen von ihm wollen: Qualen, nichts als Qualen.“

Emmenberger redet mit Bärlach über den Glauben moderner Menschen, während die Zeit fortschreitet, sichtbar an einer großen Wanduhr. Um sieben Uhr wird er Bärlach operieren – ohne Narkose. Bis dahin muss er auch noch herausgefunden haben, wie Bärlach ihm auf die Spur gekommen ist, damit er alle möglichen Mitwisser liquidieren kann.

Spannung ist garantiert und das Nach-Denken bekommt viele Gelegenheiten.

Friedrich Dürrenmatt, Der Verdacht, Kriminalroman, Zürich 1985, 120 S., ISBN 3-257-21436-7

Datum: 30. Dezember 2013
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Ein Kommentar

  1. Heinz | Samstag, 1. November 2014 19:31
    1

    Hab ich schon gelesen und auch „Der Richter und sein Henker“. Wie alles von Dürrematt einfach spannend und genial

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